1969 wurde Saul Bass, Schöpfer zahlreicher stilprägender Logos und Filmvorspänne, von AT&T beauftragt, eine neue visuelle Identität für den amerikanischen Telefon-Monopolisten zu entwerfen. Das damals radikale Ergebnis erläuterte Bass den AT&T-Managern in diesem faszinierenden Video (27 Minuten):
In einer Zeit, in der Videos nicht auf YouTube-konforme 5 Minuten beschränkt waren, nimmt sich Bass die Zeit:
ausführlich zu erklären, was eigentlich eine visuelle Identität leisten soll.
dass die damalige Identität von AT&T nicht mehr zeitgemäß war.
wie eigentlich ein Logo funktioniert.
ausführlich seine Lösung für AT&T zu erläutern.
Besonders achten sollten Sie darauf, wie Bass nie irgendetwas einfach nur behauptet. Immer lässt er seine Zuschauer regelrecht spüren, was er meint.
Er nimmt sein Publikum emotional mit in die Zeit der Rezession, in die Zeit des Aufbruchs und in die moderne Zeit.
Er zeigt, was es beudetet, in einer Welt der visuellen Überflutung hervorzustechen.
Er zeigt, wie viele Varianten er durchdacht hat, bevor er zu seinem Ergebnis gekommen ist.
All’ das ist „Show, don’t tell“. Alles, was das Publikum selbst erkennen kann, muss man ihm nicht erklären. Denn, was es selbst erkennt, dazu bekommt es einen emotionaleren Bezug. Und Emotionen sind die Basis, auf der Argumente erst wirken.
Kleine Randnotiz: In diesem kurzen Video erläutert Saul Bass sein Verständnis des Designberufs.
I want everything I do to be beautiful. I don’t give a damn whether the client understands that that’s worth anything or whether the client thinks it’s worth anything or whether it is worth anything. It’s worth it to me. It’s the way I wanna live my life. I want to make beautiful things even if nobody cares.
John Bohannon, Gründer des Dance-your-Ph.D.-Wettbewers, erklärte auf der TEDx in Brüssel, wie man komplexe Probleme durch Tanz – ja, richtig gelesen: Tanz – erklärt. Das ist ganz nebenbei einer der besten Vorträge, die ich in letzter Zeit gesehen habe:
Bohannon rief vor 4 Jahren den Dance-your-Ph.D.-Wettbewerb in’s Leben. Seitdem gibt es hunderte Wissenschaftler, die seinem Aufruf gefolgt sind:
I started a contest 4 years ago called „Dance your Ph.D“. Instead of explaining their research with words scientists have to explain it with dance.
Now, surprisingly it seems to work. Dance really can make science easier to understand.
Die Idee zu dem Wettbewerb kam Bohannon, als er feststellte, dass er zwar selbst ein promovierter Wissenschaftler ist, aber dennoch kaum ein Wort versteht, wenn andere Wissenschaftler erklären, was sie tun:
The experiment is not the end of the story, because you still have to transmit that knowledge to other people. I have a Ph.D in molecular biology. I still barely understand what most scientists are talking about. So, as my friend was trying to explain that experiment it seemed like the more he said the less I understood.
Dabei sprach er über einen Freund, der ihm über ein faszinierendes Laser-Experiment berichtete. Und Bohannon fragte sich, ob nicht das Gegenteil richtig sein müsste, also möglichst wenig Worte zu benutzen. Unmittelbar formte sich in Bohannons Kopf die Idee, Atome und Protonen als tanzende Menschen zu visualisieren.
If you’re trying to give someone the big picture of a complex idea, to really capture its essence, the fewer words you use the better.
In fact, the ideal may be to use no words at all. I remember thinking my friend could have explained that entire experiment with a dance.
Ausgehend von dieser These legt Bohannon seine Vision dar: Wir sollten nicht nur Doktorarbeiten, sondern alle komplexen Probleme dieser Welt durch Tanz erklären.
Imagine our politicians using dance to explain why we must invade a foreign country or bail out an investment bank. It’s sure to help.
PowerPoint sei eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere Wirtschaft, weil es Unsummen in Form von Produktivität verschlingt und gar „boshaft“ eingesetzt werden kann:
PowerPoint is a tool. And like any tool it can and will be abused. To borrow a concept from my countrie’s CIA. It helps you to soften up your audience. It distracts them with pretty pictures, irrelevant data. It allows you to create the illusion of competence, the illusion of simplicity. And most destructively: the illusion of understanding.
Mit seiner Analyse hat Bohannon völlig recht, mit seiner Schlussfolgerung eher nicht. Der Gralsbringer ist sicher nicht, dass wir demnächst alle auf der Bühne tanzen. Recht hat er aus drei anderen Gründen:
Wer einen Tanz choreogrpahiert, muss sich intensiv Gedanken darüber machen, was er eigentlich sagen möchte. Er muss seine Kernaussage kennen.
Durch die Vorbereitung des Tanzes zwingt Bohannon sich, auf sein Thema aus einer völlig anderen Perspektive zu blicken. Genau das ist übrigens der Grund, warum ich in meinen Workshops regelmäßig spielerische Elemente einbaue.
Bohannon nimmt sich unglaublich viel Zeit für die Vorbereitung. Natürlich schüttelt man ebensowenig einen guten Tanz aus dem Ärmel, wie man eine tolle PowerPoint aus dem Ärmel schüttelt.
Fazit: John Bohannon zeigt auf bezaubernde Weise, wie man mit ganz ungewöhnlichen Mitteln und ohne viele Worte selbst komplexe Probleme anschaulich und einprägsam vermitteln kann. Dazu gehört, dass Sie Ihre Kernaussage kennen und Ihren Vortrag sorgfältig vorbereiten. Dann klappt’s auch mit dem Verständnis – egal ob Sie tanzen, singen, Pantomime machen, ein Lego-Modell bauen, PowerPoints verwenden oder eine beliebige andere kreative Methode verwenden.
For all you lousy people out there who want to make maximum impact from minimum work.
Vergangene Woche habe ich dieses alte Video von Terry Gilliam gefunden, der die verrückten Animationen in Monty Python’s Flying Circus gestaltete. Hier gibt er in 15 min einen kleinen Einblick in seine Kunst der Cutout-Animationen, von der man auch heute, in Zeiten aufwändiger 3D-Animationen, noch einiges lernen kann.
Gilliams oberstes Prinzip ist es, mit möglichst einfachen Mitteln möglichst große Wirkung zu erzielen. Ein paar Lektionen möchte ich herausgreifen:
The whole point of animation to me is to tell a story, make a joke, express an idea. The technique itself doesn’t really matter. Whatever works is the thing to use.
Ersetzen Sie „Animation“ durch „Präsentation“ und der Satz wäre ebenso richtig. Für Terry Gilliam funktionieren Cutout-Animationen am besten. Für Sie vielleicht PowerPoint, FlipChart, Lego oder freie Rede.
The problem when you’re doing cutout is being totally aware of the limitations of cutouts. There are definite limitations. But you can use that to your advantage. You do simple story lines.
In Präsentationen haben Sie auch viele Beschränkungen. Sie sind kein Bildbearbeitungsprofi, kein Künstler am FlipChart und kein Hemingway. Nutzen Sie das zu Ihrem Vorteil. Erklären Sie Ihre Ideen so einfach wie möglich.
The thing is once you’re under the camera you can play around a lot more until you find things take on special shapes under the camera. Use them. Have fun. That’s what cutouts are about. Enjoy the fun of playing under the camera.
Haben Sie Freude, über Ihre Leidenschaft zu reden. Probieren Sie aus, was funktioniert und was nicht. Haben Sie Spaß.
Das Internet ist ein furchtbar komplexes Gebilde. Erklärt ist es jedoch ziemlich einfach, nämlich so (spannend wird’s ab ca. 1:30 min):
Warum funktioniert dieses (zugegeben schon etwas ältere) Video der Maus so gut?
Weil es konkret ist. Weil es mit Bildern aus dem (damaligen) Alltag der Zuschauer arbeitet, mit denen sie die abstrakten Konzepte leicht in ihren Erfahrungsschatz übersetzen können. Und weil nicht alles auf einmal, sondern schön der Reihe nach erklärt wird. Dabei bleibt es bei aller Vereinfachung stets fachlich korrekt.
Experten tun sich dagegen oft schwer, über ihr Thema einfach und (für Nicht-Experten) verständlich zu sprechen. Die Angst vor zu starker Vereinfachung verführt dazu, in Fachausdrücken hängen zu bleiben und zu viele Details zu erzählen.
Wie es besser geht, macht die Sendung mit der Maus seit Jahrzehnten vor – mit Hilfe von konkreten Beispielen, Geschichten und Analogien; und mit Klardeutsch. Nicht verstanden zu werden, darf nämlich nie eine Option sein.
Eine der besten Präsentationen, die ich kenne, ist die Vorstellung des ersten iPhones:
Für viele Unternehmen sind Jobs’ Präsentationen mittlerweile zur Blaupause geworden. Die Produktpräsentationen von Facebook, Nokia und Amazon sind mehr oder weniger offensichtliche Kopien. Allerdings: meist schlechte, bisweilen bizarre Kopien.
Bisweilen gespenstisch wirkte auf mich die Kindle-Präsentation von Amazon-Chef Jeff Bezos:
Bis ins kleinste Detail eifert Amazon Apple nach. Doch die Präsentation bleibt seltsam trostlos. Bezos wirkt spröde, läuft pausenlos hin und her, spricht monoton ohne Höhen und Tiefen, stellt Fragen, die keine sind. Besonders bizarr wirken die langen Pausen, in denen Bezos wohl auf Applaus hofft, der aber immer und immer wieder ausbleibt (welch ein Kontrast zu Apples „Fanboys“, die so oft in tosenden Jubel ausbrechen).
Die Frage, die ich mir dabei stelle: Warum überhaupt versuchen Bezos und all’ die anderen Unternehmen, ein zweiter Jobs zu sein? Sie sind es nicht! Aber warum sollten sie auch?
Hat Amazon nicht genug erreicht, auf das es stolz sein kann? Warum haben sie dann nicht das Selbstbewusstsein, ihren eigenen Stil zu finden? Ich glaube, dass das viel besser funktionieren würde.
Und genau das rate ich auch Ihnen. Schauen Sie sich ganz genau die Keynotes von Steve Jobs an. Lernen Sie alles, was Sie lernen können. Aber dann: nehmen Sie dieses Wissen und passen es auf Ihre Persönlichkeit an. Sie sind nicht Steve Jobs und müssen es auch nicht sein. Sie werden andere Möglichkeiten finden, Ihre Möglichkeit, mit Ihrer Präsentation zu begeistern.
Color is about a lot more than just opening your eyes.
Diese BBC-Dokumentation zeigt, wie Menschen Farben unterschiedlich wahrnehmen; sogar dieselben Menschen zu verschiedenen Zeitpunkten, abhängig davon, wie sie über Farben sprechen, wie sie sich fühlen, ja sogar abhängig von ihrem Alter und ihrem Geschlecht.
1. Pink ist nicht gleich rosa – und grün ist nicht gleich grün
Ob zwei Farben ähnlich auf uns wirken oder nicht, hängt anscheinend nicht nur von deren Wellenlängen ab, sondern auch von unserem Sprachgebrauch. „Das ist nicht rosa, das ist pink“, belehrt mich meine Tochter desöfteren. Insbesondere seit sie in den Kindergarten geht unterscheidet sie mühelos etliche Rosa-Töne. Und das liegt möglicherweise daran, dass sie im Spiel mit ihren Freundinnen verschiedene Namen für diese Farbtöne selbstverständlich verwendet.
Tests mit dem Himba-Stamm aus Namibia weisen auf diese Interpration hin (Video). Die Himba sind mühelos in der Lage, Grün-Töne zu unterscheiden, die für uns kaum unterscheidbar sind. Sie haben unterschiedliche Namen für diese Grün-Töne und finden daher in dem Beispiel unten links auf Anhieb dasjenige Quadrat, das sich von den anderen unterscheidet (Auflösung am Ende des Artikels). Umgekehrt können Sie die Blau- und Grüntöne in dem Beispiel rechts nur schwer unterscheiden. Vermutlich weil die beiden Farbtöne in ihrer Sprache denselben Namen haben.
2. Die Farbe ist mit den Mächtigen
Farbwahrnehmung hängt offenbar auch von unserem Gemütszustand ab. Der Wissenschaftler Beau Lotto konnte nachweisen, dass Menschen, die sich mächtig fühlen, sensibler auf Farbänderungen reagieren als andere Menschen. Neben der Gemütslage beeinflussen auch Geschlecht und Alter unsere Farbwahrnehmung. So kann ein und dieselbe Szene auf uns an unterschiedlichen Tagen unterschiedlich wirken. Und noch mehr: nur durch unsere Erfahrung erhalten die Farbinformationen, die auf unsere Augen treffen, ihre Bedeutung. Beau Lotto, Leiter des Londoner Lottolab zur Wahrnehmungsforschung, fasst das so zusammen:
Das Licht, das auf unsere Augen fällt – die sensorische Information – ist bedeutungslos, weil sie buchstäblich alles bedeuten kann. Und daher gilt für sensorische Informationen dasselbe wie für Informationen im Allgemeinen. Sie haben keine inhärente Bedeutung. Was wir mit den Informationen tun, das ist wichtig.
In diesem TED-Vortrag demonstriert Lotto, wie die Farbwahrnehmung durch äußere und innnere Faktoren beeinflusst wird.
3. Wenn rot gleich grün ist
Neben diesen soziolgischen Einflüssen gibt es aber auch handfeste genetische Ursachen für unterschiedliche Farbwahrnehmung. Nämlich das, was im Volksmund Farbenblindheit heißt, aber real eher als Rot-Grün-Schwäche auftritt. Betroffen sind zwischen 5-10% der Bevölkerung, zum überwiegenden Teil Männer. Die meisten Betroffenen haben beeinträchtigte oder nicht funktionierende Farbrezeptoren für rot oder grün. Sie können dann diese beiden Farben schwer bis gar nicht unterscheiden. Das kann dann z.B. dazu führen, dass die für die meisten von uns so vertraute rot/grün-Ampel für Betroffene ihre Bedeutung verliert:
Auflösung zum grün-Rätsel: das Quadrat an der gleichen Position wie das blaue im rechten Bild ist minimal heller.
5 km/h mehr oder weniger machen doch wirklich keinen großen Unterschied. Geblitzt wird man bei dieser Differenz normalerweise noch nicht. Und passieren kann eigentlich auch nicht viel. Oder doch?
Schauen wir mal genauer hin:
Offenbar machen 5km/h doch einen Unterschied – einen ganz gewaltigen sogar; möglicherweise gar den Unterschied zwischen Leben und Tod.
Natürlich hätte Prof. Johnston Ihnen auch einfach in einem Satz sagen können, dass eine Geschwindigkeitsdifferenz von 5 km/h bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 60 km/h nach 50 m Bremsweg einen Unterschied von 27 km/h ausmacht und mithin die Aufprallgeschwindigkeit so hoch ist, dass Sie dabei sterben können.
Das hätten wir ihm wahrscheinlich auch schon geglaubt – schließlich ist er Professor und Mathematik lügt nicht. Aber erstens müssen wir, während er diesen komplizierten Satz sagt, erst einmal alle diese Daten verstehen und für uns in Bilder übersetzen, damit wir sie uns vorstellen können. Zweitens, begreifen wie sehr viel unmittelbarer, wie drastisch sich diese Differenz der Aufprallgeschwindigkeit von 27 km/h in der Realität auswirkt, indem wir die Folgen mit eigenen Augen beobachten.
Show don’t tell
Und genau damit arbeitet dieser Videoclip: Zahlen sichtbar und erfahrbar zu machen. Indem wir die beiden Autofahrer beobachten, können wir uns umittelbar in die Situation hineinversetzen. Vielleicht erinnern wir uns sogar an eine ähnlich brenzlige Situation, in der wir selbst einmal steckten.
Generell verstehen wir Zahlen dadurch besser, dass wir Ihre Bedeutung sichtbar machen: durch Bilder oder durch Geschichten. „Show don’t tell“ nennt man das: Sag’ mir nicht, was du mir genau so gut zeigen kannst. Denn wenn du es mir zeigst, kann ich es besser verstehen, weil ich mich vor meinem inneren Auge hineinversetzen kann.
In dem Video tun die Zeitlupeneffekte ihr übriges, um die Botschaft in unseren Köpfen zu verankern, denn sie wirken als Überraschungseffekt. Und die wiederum steigern bekanntlich die Aufmerksamkeit und die Einprägsamkeit.
In New York kommen täglich bei Verkehrsunfällen vier Menschen ums Leben oder werden schwer verletzt, 3/4 davon an Kreuzungen. Der Designstudent Ron Gabriel hat sich in seiner Masterarbeit gefragt, ob er aus der Vogelperspektive Ursachen dafür erkennen kann.
An einer Kreuzung hat er eine Kamera in einigen Metern Höhe platziert und sich das Verkehrsgeschehen an mehreren Tagen aus der Vogelperspektive angesehen. Anschließend hat er das Verhalten der Teilnehmer in diesem kurzen Film unter die Lupe genommen:
Man erkennt gut, dass sowohl Autofahrer wie auch Radfahrer und Fußgänger bisweilen haarsträubende Manöver durchführen; fast wundert man sich, dass nicht noch mehr passiert.
Sichtbar wird das durch sparsame, aber konsistente Markierungen der Verkehrsteilnehmer. Das funktioniert aus zwei Gründen besonders gut. Erstens lenkt Gabriel die Aufmerksamkeit durch die roten “Zappelmarken” genau auf diejenigen Situationen, in denen sich ein Verkehrsteilnehmer besonders „schlecht“ benimmt.
Zweitens werden nur diejenigen Verkehrsteilnehmer markiert, die auch anschließend in eine gefährliche Situation verwickelt sind. Die Markierungen wären völlig wertlos, wenn Gabriel sich dazu entschlossen hätte, alle Verkehrsteilnehmer als Auto, Fahrrad oder Fußgänger zu markieren – ein Fehler, den ich immer wieder in Präsentationen beobachte.
In solchen Fällen wird dann alles irgendwie gekennzeichnet. Weil dann das Wesentliche aber eben auch nicht mehr erkennbar ist (wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig), verwenden die Autoren noch mehr Markierungen, z.B. Pfeile oder weitere Farben – was es aber noch unübersichtlicher macht.
Was man aus Ron Gabriels Verhaltensanalyse der Verkehrsteilnehmer lernen kann ist nicht nur, dass es zu viele Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger, die sich im Verkehr schlecht benehmen. Man sieht auch, wie hilfreich es bisweilen ist, die Vogelperspektive einzunehmen und die Blicke der Betrachter gezielt auf das Wesentliche zu lenken.
Wasser kommt für uns selbstverständlich aus der Leitung, für viele allerdings nicht. Schlimmer noch: Eine Milliarde Menschen haben nicht einmal Zugang zu sauberem Wasser.
Hier sind drei eindrucksvolle Videos zum Thema Wasser. Die ersten beiden Videos zeigen auf sehr unterschiedliche Weise die Folgen von verunreinigtem Wasser. Gerade weil es uns nicht unmittelbar betrifft, andererseits aber auch so schwer vorstellbar ist – man sieht die Verunreinigung ja nicht – ist es so wichtig, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Das dritte beschäftigt sich mit einem erstaunlichen Phänomen unserer Gesellschaft: der Wasserflasche.
Wasserfarbe
Die Hilfsorganisation Solidarite International hat zum Weltwassertag am 22. März eine Kampagne gegen verunrienigtes Wasser gestartet und dazu dieses Video produziert:
Wasser verändert alles
Die noch junge Organisation charity:water möchte mit diesem Video dazu motivieren, 20$ zu spenden, um damit einem Menschen Zugang zu reinem Wasser zu ermöglichen. (Das besondere daran: Der Betrieb wird durch einige große private Sponsoren aufrecht erhalten, so dass die übrigen Spenden zu 100% in Projekte gesteckt werden.)
Sehenswert ist, wie virtuos hier mit einfachsten Mitteln das gesprochene Wort visuell unterstützt wird. Achten Sie darauf, wie Wasser – ganz dem Text entsprechend – die Basis für alles ist. Wie aus Wasser Leben, Bildung und vieles mehr wird. Achten Sie darauf, wie die klare Farbwahl das Verständnis unterstützt: braun für verunreinigtes Wasser, Blau für die Menschen, grün für Hoffnung. Und achten Sie auch darauf, wie hier nicht Fakten einfach heruntergebetet werden, sondern wie sie ineinanderfließen, z.B. als aus dem beschwerlichen Marsch zum Wasser eine Statistik über den Zeitbedarf afrikanischer Frauen entsteht. Das ist insgesamt wirklich gut gemacht.
Die Geschichte der Wasserflasche
Annie Leonards faszinierende Präsentationsmethode hatte ich schon vor einiger Zeit hiervorgestellt. Damals erklärte sie die Verarbeitungskette unseres Konsumsystems und wollte mit einigen verstörenden Fakten wachrütteln. Seitdem sucht sie für viele Spezialfälle nach Lösungen aus dem Konsum-Dialemma. Vor kurzem veröffentlichte sie dieses Video über die Geschichte der Wasserflasche. Genau so verstörend wie damals – auch weil es für viele von uns so selbstverständlich ist.
Manchmal hilft einfach nur noch Humor. Das denke ich mir auch bei manchen Präsentationen. Denn was auf den Projektoren dieser Welt auch heute noch manchmal geboten wird, das ist schon schwer verdaulich. Nach vielen Mails auf den Indiana-Jones-Artikel der letzten Woche, habe ich auch noch einmal in meinen Archiven gekramt und einige Perlen der PowerPoint-Satire ausgegraben.
Diese Beispiele wären sicher nicht so lustig, wenn sie nicht – trotz ihres teilweise hohen Alters – so wahr wären.
Eine ganze Nation bewegen
Irgendwann reichte es Peter Norvig, heute Chef-Wissenschaftler bei Google. Nach einer ermüdenden PowerPoint-Präsentation zuviel, beschloss er etwas dagegen zu tun. Noch am selben Abend stellte er eine PowerPoint-Version von Lincolns berühmter Gettysburg-Rede online. Man glaubt es kaum, aber noch heute, 11 Jahre nach Veröffentlichung, trifft sie voll ins Schwarze.
Dilbert
Natürlich leidet auch Dilbert in seiner bürokratisierten Unternehmenswelt unter PowerPoint. Beim PowerPointNinja findet man eine große Auswahl (ziemlich treffender) Dilbert-Comics zum Thema PowerPoint:
Hähnchen-Wissenschaft
Einen Vortrag über Hänchen habe ich zwar noch nicht auf einer wissenschaftlichen Konferenz gesehen, aber irgendwie kommt mir das sehr vertraut vor (übrigens: hier gibt’s die Folien zum Download):
Ein Abschied in PowerPoint
Bissiger geht es kaum. Die amerikanische Satirezeitschrift The Onion erlaubte sich 2005 diese makabre Satire auf typische Unternehmenspräsentationen: Ein Abschiedsbrief in PowerPoint, sorgfältig im Corporate-Design mit Bullet-Points, die die wichtigsten Aussagen auf den Punkt bringen und Cliparts zur Veranschaulichung der Kernbotschaften (wer fühlt sich da nicht an Indy erinnert?). Hier zwei Beispiele:
Der Klassiker: Don McMillan
Wahrscheinlich haben die meisten schon einmal Don McMillans wundervolle PowerPoint-Parodie gesehen. Trotzdem immer wieder sehenswert – und immer noch wahr: