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Die Mehrabian-Regel – Was steckt wirklich dahinter?

Haben Sie schon mal gehört, dass nur 7 % der Wirkung eines Vortrags vom Inhalt abhängen – und der Rest von Stimme und Körpersprache?

Klingt spektakulär. Ist aber falsch.

Diese sogenannte 7-38-55-Regel, manchmal auch „Mehrabian-Regel” gennant, wird oft zitiert, aber sie hält keiner ernsthaften Prüfung stand. Denn sie basiert auf einem Missverständnis.

Der Ursprung? Ein Experiment des Psychologen Dr. Albert Mehrabian aus den 1970er Jahren. Doch was wurde dort eigentlich untersucht?

Mehrabian wollte herausfinden, woran wir erkennen, ob jemand wirklich meint, was er sagt – insbesondere wenn Worte und Körpersprache nicht zusammenpassen. Seine Forschung zeigte: Wenn eine Person sagt „Ich freue mich“, dabei aber mit tonloser Stimme spricht und die Arme verschränkt, dann glauben wir eher den nonverbalen Signalen als den Worten.

Heißt das, dass Körpersprache und Stimme immer wichtiger sind als der Inhalt? Nein. Es bedeutet nur: Wenn Worte und Körpersprache widersprüchlich sind, vertrauen wir eher dem, was unausgesprochen bleibt.

Was bedeutet das für Ihre Präsentationen?

Wenn Ihre Worte mit Ihrer Haltung übereinstimmen – wenn Sie klar, überzeugt und authentisch sprechen – dann zählt das, was Sie sagen.

Wenn nicht, dann hilft Ihnen auch die beste Körpersprache nichts. Man wird Ihren Worten gegenüber skeptisch sein.

Aber genau da liegt das Problem.

Viele glauben nun, sie müssten ihre Körpersprache trainieren. Ihren Tonfall optimieren. Ein paar Rhetorik-Tricks lernen, damit Ihre Präsentationen überzeugender sind.

Doch all das ist nutzlos, wenn die eigentlichen Worte nicht stimmen.

❌ Wenn Ihre Botschaft nicht klar ist, spürt Ihr Publikum das – und es bleibt nichts hängen.
❌ Wenn Sie um den heißen Brei herumreden, wird niemand wirklich zuhören.
❌ Wenn Ihre Worte nicht glaubhaft sind, dann können Sie noch so selbstbewusst auftreten – es wird nichts ändern.

Das ist die eigentliche Frage:

🔹 Können Sie klar formulieren, worauf es ankommt?
🔹 Können Sie eine Botschaft so auf den Punkt bringen, dass sie sich in den Köpfen festsetzt?
🔹 Können Sie es so sagen, dass Menschen wirklich fühlen, was Sie meinen?

Und können Sie all das mit Worten, von denen Sie selbst aus tiefstem Herzen überzeugt sind?

Denn wenn Sie das können, dann brauchen Sie keine Tricks. Dann hören die Menschen Ihnen zu – weil Ihre Worte treffen.

Und genau das ist mein Job.

Ich helfe Ihnen, genau die Worte zu finden, die sich wie selbstverständlich in die Köpfe und Herzen Ihres Publikums einbrennen.

Die richtigen Worte tun genau das:
✔️ Sie sind klar und unmissverständlich.
✔️ Sie lösen etwas aus.
✔️ Sie machen den nächsten Schritt offensichtlich.

Und das Beste? Sie fühlen sich richtig an – nicht einstudiert, sondern selbstverständlich.

Wenn Sie das wollen, lassen Sie uns reden.

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Guter Vortrag, schlechte Folien

Einen schönen Vortrag über die Tücken der Statistik und die fatalen Auswirkungen, die ein dilletantischer Umgang mit Statistik in Gerichtsprozessen haben kann, hielt Peter Donnelly, Statistikprofessor in Oxford, auf der TEDGlobal-Konferenz 2005.

Der Vortrag ist ein gutes Beispiel dafür, dass selbst ein normalerweise als äußerst trocken empfundenes Thema anschaulich wird, wenn verblüffende Beispiele und Geschichten die Auswirkungen auf das tägliche Leben erklären. Donnelly gelingt es auch gut, gleich zu Beginn einen Draht zum Publikum herzustellen, indem er sich selbst ein bisschen auf die Schippe nimmt.

Stark verbesserungsfähig sind allerdings seine (wenigen) Folien, die irgendwie fehl am Platz und (trotz der geringen Zahl) weitgehend überflüssig wirken. Vieles, was er da auf die Folien schreibt, wird nicht wirklich benötigt, spricht er doch selbst sehr anschaulich und hält sich nicht an den Text auf seinen Folien. Ich greife einmal zwei Folien heraus:

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Auf der ersten Folie hätte er sich völlig auf das Beispiel in der Mitte beschränken können. Keinen Satz hätte man vermisst, wäre er nur gesprochen, nicht aber aufgeschrieben worden. Auf der zweiten Folie steht gleicht sechs mal „the average number of tosses until“ voll ausgeschrieben. Das alles zu lesen dauert viel zu lange. Im Wesentlichen kann man die zweite Folie wohl auch so zusammenfassen: „On average, do you wait longer for HTH, longer for HTT, or do you wait equally long for both?“

The Phones Start Talking

Würden Sie das unterschreiben: manche Themen sind einfach so kompliziert, die kann man einem Laien in einer kurzen Präsentation nicht näher bringen.

Ich würd’s nicht unterschreiben, sondern versuche stattdessen, Ihnen einen kurzen Einblick in mein Promotionsthema zu geben, das im Detail zumindest so kompliziert ist, dass es mich einige Jahre beschäftigt hat. Fragt man Wikipedia, was ein Ad-hoc-Netz ist, so lernt man, es sei ein Funknetz, das zwei oder mehr Endgeräte zu einem vermaschten Netz verbindet, um darüber Daten von Netzknoten zu Netzknoten weiter zu reichen. Aha. Nicht klar wozu das gut sein soll?

Ich versuch’s mal anders, nämlich mit einer kleinen Präsentation

Links zu dem Thema:

 

Zurück an der Uni

Hauptgebäude der Universität Bonn [Foto: Dr. Thomas Mauersberg]

In den vergangenen beiden Wochen hatte ich wieder das Vergnügen, an meine alte Wirkungsstätte zurückzukehren für zwei Vorlesungen über mein Promotionsthema Ad-hoc-Netze, eine faszinierende, neue Art spontaner Kommunikation. Wie immer hatte ich dabei großen Spaß.

Vorlesungen sind eine recht spezielle Art von Vorträgen. Sie sind deutlich länger als die meisten Präsentationen und sie haben vor allem das Ziel, eine große Menge an Wissen zu vermitteln. Das scheint auf den ersten Blick der Empfehlung zu widersprechen, die Inhalte eines Vortrags auf das Wesentliche zu reduzieren und Details, die nicht für das Verständnis relevant sind, wegzulassen.

Verkehrsschild: Understanding - Next Exit

Für mich ist das jedoch nur ein scheinbarer Widerspruch. Denn Wissen eignet man sich leichter an, wenn Verständnis vorausgeht. Und da sind wir dann doch wieder bei der Reduktion auf das Wesentliche. Denn Verständnis erreicht man nicht dadurch, dass man alle Fakten zu einem Thema einfach aufzählt, sondern dass man die grundlegenden Eigenschaften eines Problems oder den springenden Punkt eines Lösungsansatzes intuitiv begreifbar macht. Oft genug habe ich während meines eigenen Studiums leider das Gegenteil erlebt: Vorlesungen, die reines Faktenwissen vermitteln, oft anhand von Textfolien, während die Studenten Zusammenhänge selber suchen müssen. Das ist verkehrte Welt.

Vorlesungsskript zur ersten Vorlesung

Für meine Vorlesungen erstelle ich daher konsequent Handouts (sprich: Vorlesungsskripte). Handouts befreien von der Last, alles, wirklich alles auf die Folien schreiben zu müssen. Sie erlauben mir, mich stattdessen auf Visualisierungen zu konzentrieren, die das Verständnis optimal unterstützen, Zusammenhänge aufzeigen und Ähnlichkeiten zu Bekanntem aufdecken. So kann ich den Studenten ein solides Grundverständnis der Materie vermitteln, mit dem sie sich selbständig weitere Details aneignen und weiterführende Literatur gut verstehen können.

Wen es interessiert, der kann natürlich gerne einen Blick in mein Handout zum Thema Ad-hoc-Netze werfen.

Übrigens: Am 23. Juli halte ich einen öffentlichen Vortrag Wenn Dell Pizza verkaufen würde in der Andreas-Hermes-Akademie in Bonn. Interessenten sind herzlich eingeladen (Eintritt frei).

Links zu dem Thema:
Vorlesungsskript Mobile Ad hoc Networks
Handouts gegen Death-by-PowerPoint
Was bleibt: Einfaches

[Foto des Uni-Gebäudes: Dr. Thomas Mauersberg] 

Was man bei technischen Präsentationen vermeiden sollte

Screenshot des Videos

Technische Präsentation sind besonders anfällig für quälende PowerPoint-Vorträge. Wer schon einmal eine mehrtägige technische Konferenz besucht hat, kann davon sicher ein Lied singen. Der Kampf gegen das Einnicken ist häufig nicht zu gewinnen, wenn hoffnungslos unübersichtliche Diagramme, leere Worthülsen (“content enablement”) und fehlerhafte Programmdemos auf einen niederprasseln.

Bei der letztjährigen MEDC, Microsofts Konferenz für “mobile and embedded devices”, haben sich vier Microsoft-Mitarbeiter einen Spaß daraus gemacht, die gröbsten Fehler bei technischen Präsentationen in einem Video nachzustellen. Wenn man nicht wüsste, das es Spaß ist, man könnte es glatt für echt halten. So traurig ist das oft auf Konferenzen; und so gut haben die vier das nachgestellt.

[gefunden bei Speak Schmeak]

Sprechen Sie flüssig oder, äh, verständlich?

Als Redner versucht man, möglichst flüssig zu sprechen und Füllwörter wie “äh” weitestgehend zu vermeiden. Diese werden oft als störend für den Zuhörer empfunden und deuten auf Unsicherheiten beim Redner hin.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen legen jedoch einen etwas unverkrampfteren Umgang mit dieser sog. “Disfluenz” nahe. Jennifer Arnold von der University of North Carolina hat mit ihren Kollegen den Einfluss des Verlegenheitswortes “äh” auf das Textverständnis der Zuhörer untersucht.

Demnach kann das Wort “äh” sogar das Textverständnis der Zuhörer verbessern. Die Testpersonen konnten sich nämlich nach einem “äh” viel eher auf etwas Neues bzw. Schwieriges konzentrieren. Die kleine Pause vor dem folgenden Wort, die die scheinbare Schwierigkeit signalisiert, die der Redner mit dem folgenden Wort hat, ermöglicht den Zuhörern offenbar ein besseres Textverständnis. Neues bzw. Schwieriges wird also anscheinend leichter verarbeitet, wenn ein “äh” vorausgeht. Martin Corley von der University of Edinburgh hat sogar ergänzend festgestellt, dass sich die Zuhörer Wörter besser merken, wenn sie auf ein “äh” folgen.

Heißt das nun, dass ein souveräner Redner das Wort “äh” absichtlich verwenden sollte, um das Textverständnis der Zuhörer zu verbessern? So weit sollte man vielleicht nicht gehen. Aber man sollte sich auch nicht über jedes “äh” ärgern. Erst wenn man übermäßig oft “äh” sagt, sollte man versuchen, an sich zu arbeiten (etwa indem man verstärkt übt oder bewusst langsam spricht).

Im übrigen sollten Sie vielleicht einmal an sich selbst beobachten, z.B. durch eine Videoaufzeichnung, wann Sie eigentlich “äh” sagen. Vielleicht erhalten Sie so Hinweise darauf, mit welchen Wörtern oder Argumentationen Sie selbst Schwierigkeiten haben. Dann könnten Sie gezielt versuchen, diese Teile ihrer Präsentation noch klarer auszuarbeiten.

[vgl. Äh und Ähm betonen Sprache und schaden ihr nicht

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