Let’s Talk, die fünfte. Diesmal mit Achim Schaffrinna, Designer und Autor des Design Tagebuch. Wir haben dem Trend „Flat Design“ auf den Zahn gefühlt und uns u.a. gefragt:
wie flach die (Design-)Welt noch werden darf,
warum Corporate Design keine Chefsache ist,
warum ausgerechnet die konformistischste aller Schriftarten gerade eine Rennaissance erlebt,
warum die Erfüllung eines Kundenwunsches bei Goolge geschäftsschädigend war,
wie ein Supersize-Banner einen Auftritt zerhacken kann und
wieviel Orientierung Nutzer im Web (noch) brauchen.
Die meisten Präsentationen beginnen mit einer „Agenda“-Folie. Eine schöne, saubere Liste: Punkt 1, Punkt 2, Punkt 3.
Und es klingt auch nach einer guten Sache, oder? Schließlich haben z.B. Bücher auch ein Inhaltsverzeichnis.
Aber überlegen Sie mal: Wofür ist ein Inhaltsverzeichnis eigentlich da?
📌 Vor dem Kauf hilft es, das richtige Buch auszuwählen. 📌 Nach dem Kauf hilft es, schnell die richtige Stelle zu finden.
Beides macht Sinn – für ein Buch.
Aber für eine Präsentation?
Nutzen Sie wirklich eine Agenda, weil Ihr Publikum sie braucht – oder nur, weil man das eben so macht?
Vorspulen geht nicht.
In einem Buch kann ich springen. Ich kann direkt zu Kapitel 4 blättern, wenn mich die ersten drei nicht interessieren.
In einem Vortrag geht das nicht.
Wenn also eine Agenda-Folie alle Stationen verrät, bevor die Reise beginnt – was passiert dann?
❌ Die Spannung ist weg. ❌ Die Zuschauer sind abgelenkt. ❌ Die Präsentation wird vorhersehbar.
Und das Schlimmste? Niemand hört wirklich zu.
Aber das Publikum braucht Orientierung!
Ja. Aber nicht durch eine langweilige Liste von Stichpunkten.
Gute Präsentationen haben etwas Besseres:
✔ Eine klare Struktur, die sich aus der Geschichte ergibt. ✔ Visuelle Anker, die das Publikum mühelos mitnehmen. ✔ Einen Spannungsbogen, der von selbst durch die Präsentation führt.
Ein Beispiel: Annie Leonard erklärt in ihrer berühmten „The Story of Stuff“, wie viel Müll wir jedes Jahr produzieren. Ihr Vortrag folgt keiner „Agenda“. Stattdessen nutzt sie die Produktions- und Konsumkette als roten Faden.
Das Publikum weiß jederzeit, wo es sich befindet – weil die Struktur Sinn ergibt.
Und was heißt das für Ihre Präsentationen?
Wenn Sie Ihr Publikum fesseln wollen, dann brauchen Sie keine „Agenda“.
Sie brauchen eine Dramaturgie, die neugierig macht. Sie brauchen visuelle Orientierungshilfen, die sich in den Köpfen festsetzen. Sie brauchen eine Struktur, die sich logisch entfaltet – für Ihr Publikum, nicht für Sie.
Und genau das ist mein Job.
Ich helfe Ihnen, Präsentationen zu gestalten, die nicht nur informieren, sondern überzeugen. Präsentationen, die so klar sind, dass Ihr Publikum nicht jederzeit sicher ist, dass sich die Reise lohnt.
Ein Beispiel: Meine letzte Keynote habe ich mit einem provokanten Zitat von Prof. Sweller begonnen: „Es ist ein Desaster wie PowerPoint für Präsentationen verwendet wird. Werfen Sie das über den Haufen.“ Meine Versprechen danach war: dafür werde ich während meines Vortrags drei Gründe und die passenden Lösungen nennen. Dafür braucht ich keine Agenda-Folie.
Das Publikum klebte gebannt an meinen Lippen …
Wenn das Ihr Ziel ist, lassen Sie uns reden. 👉 Buchen Sie ein kostenloses und unverbindliches Analysegespräch und finden Sie heraus, wie Sie Ihre Botschaft so klar machen, dass sie Ihre Zuhörer überzeugt.
Seit einiger Zeit testet die Stadt London ein neues Leitsystem für Fußgänger. Das ehrgeizige Ziel: bis 2015 soll London die fußgängerfreundlichste Stadt der Welt werden. Was dort unter dem Schlagwort Legible London entwickelt wird, ist ein Musterbeispiel dafür, wie Kommunikation durch kleinste Details klarer wird. Hier kann man viel lernen – auch für Präsentationen.
Die Vorgeschichte
Die Stadt stellte fest, dass in London immer weniger Strecken zu Fuß zurückgelegt werden. Selbst für kürzeste Entfernungen wird die “Tube” genutzt – und zwar auch dann, wenn der Fußweg schneller wäre. Dazu trägt nicht unerheblich bei, dass der berühmte Plan der Londonder U-Bahn nicht nur bei seiner Einführung revolutionär war, sondern auch heute noch ein Vorzeigebeispiel übersichtlicher Darstellung ist – und laut Umfragen erste Wahl bei der Orientierung in London bleibt.
Als Fußgänger dagegen muss man sich in einem Wust von nicht weniger als 32 verschiedenen Leitsystemen orientieren, und die sind bisweilen inkonsistent und daher verwirrend. Abhilfe schaffen soll ein neues einheitliches Leitsystem für London, das unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse optimal auf die Bedürfnisse von Fußgängern zugeschnitten ist. Die Lösung ist detailverliebt und gerade deswegen lehrreich.
Wie orientieren sich Fußgänger?
Das Projekt “Legible London” hat nicht einfach schickere Stadtpläne und Wegweiser designt, sondern zunächst einmal gründlich hinterfragt, welche Informationen Fußgänger eigentlich wann und in welcher Form brauchen (tun Sie das auch für Ihre Zielgruppe?). Offenbar benötigen wir nämlich in unterschiedlichen Phasen unterschiedliche Informationen. Je weiter wir uns einem Wegweiser nähern, desto genauer schauen wir hin: Legible London löst das so: Der “Walker”, eine gelbe Markierung am oberen Rand, kennzeichnet schon aus großer Entfernung jedes Hinweisschild. Große Schriften im oberen Teil geben Richtungsangaben zu wichtigen Punkten in der Umgebung, die man auch im Vorübergehen leicht erkennen kann. Darunter finden sich zwei Planungskarten, die Detailinformationen der unmittelbaren Umgebung enthalten. Interessantes Detail: Die Schilder sind so entworfen, dass die wichtigsten Informationen, Wegweiser zu nahen Sehenswürdigkeiten oder Straßen, oben angeordnet sind, so dass sie auch über eine Menschenmenge hinweg erkannt werden können.
Wie denken Fußgänger?
In der Schule lernen wir, dass Karten eingenordet sind. Für die Orientierung von Fußgängern hat es nach den Erkenntnissen von Legible London jedoch erhebliche Vorteile, wenn die Karten in Blickrichtung ausgerichtet sind. Auf diese Weise kann die Umgebung mit der Karte leichter in Einklang gebracht werden, so dass man sich als Fußgänger schneller und zuverlässiger orientiert.
Es lohnt sich offenbar, auch etablierte Verfahren immer wieder zu hinterfragen, wenn dadurch ein Ziel, in diesem Fall eine schnellere Orientierung, besser erreicht werden kann. Es ist eben nicht richtig, nur weil alle es tun. Anders ausgedrückt: Brauchen Ihre Folien wirklich so viel Text?
Eine weitere Konvention bricht Legible London bewusst: praktisch alle Karten geben Entfernungen räumlich an, z.B. in Metern. Mittlerweile weiß man jedoch, dass Fußgänger sich mit Hilfe von Zeitangaben leichter orientieren. Die Detailkarten auf den Legible-London-Säulen zeigen daher Umkreise, die in 5 und in 15 Minuten bequem zu Fuß erreichbar sind. Anders ausgedrückt: Ihre Zuhörer wollen nicht nur Fakten, sondern auch wissen, was eine Information für sie bedeutet.
Darüberhinaus unterstützen die Karten die Leser mit zahlreichen praktischen Details, damit Routen optimal geplant werden können. Bei wichtigen Sehenswürdigkeiten sind die Eingänge eingezeichnet, für Behinderte werden Treppen und Gehsteigbreiten gekennzeichnet und 3D-Repräsentationen der wichtigsten Gebäude helfen auch Menschen mit Leseschwäche, die Karten richtig zu nutzen. Anders ausgedrückt: Unterstützen Sie Ihre Zuhörer mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten darin, Ihre Präsentation bestmöglich zu verstehen?
In komplexen Themen ist klare Kommunikation besonders wichtig. Und gerade in alltäglichen Situationen behindern alte Konventionen schon einmal bessere Lösungen, weil es eben “schon immer so gemacht wurde”. Die Neuentwicklung eines Leitsystems für die Weltmetropole London zeigt jedoch, dass eine rigorose Analyse der Bedürfnisse der Zielgruppe, hier der Fußgänger, den Blick für das Wesentliche schärft. So können pragmatische Lösungen gefunden werden, die mehr sind als schickes Design, sondern Informationen so aufbereiten, dass sie optimal verstanden werden.
Weitere Informationen Die Homepage von Legible London enthält zahlreiche Hintergrundinformationen und weitere Beispiele. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Typojournal enthält einen schönen Artikel zu dem Thema (und viele weitere interessante Artikel zum Thema Lesbarkeit).
Letzte Woche war ich nach langer Zeit mal wieder bei Kaufland einkaufen. Das tue ich normalerweise gar nicht gerne, weil ich mich regelmäßig von dem riesigen Angebot erschlagen fühle. Offenbar hat das der Betreiber mittlerweile auch selbst erkannt, denn mit Hilfe von Hinweisschildern werden interessante Angebote gekennzeichnet: was neu ist, was Bio ist, und was besonders billig ist. Dieses Paradebeispiel klarer, zielgerichteter Kommunikation musste ich einfach mit einem Foto festhalten.
Im Ernst, was sich die Kaufhausbetreiber bei dieser Beschilderung gedacht haben, wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Ich zähle alleine drei verschiedene billig/billiger-Schilder. Insgesamt sind auf diesem Foto an die 50 Hinweisschilder an einem einzigen Regal zu sehen. Wer sich durch die reine Produktanzahl noch nicht überfordert fühlt, der ist es garantiert mit diesen Hinweisen. Gedacht, um Wesentliches zu kennzeichnen, führt die schiere Zahl an „wesentlichen“ Informationen dazu, dass der Käufer genauso verloren vor dem Regal steht wie ohne diese Hinweise. Wenn alles wichtig ist, ist nichts mehr wichtig.
Ein lustiges Ratespiel haben sich zwei Rechtsanwälte von der Sozietät Juconomy und vom Verband der deutschen Internetwirtschaft, eco, für ihre Präsentation beim eco-Arbeitskreis Online Marketing ausgedacht.
Die Spielregeln:
Schreiben Sie möglichst viel Text auf Ihre Folien.
Ist die Folie dann noch nicht voll genug, machen Sie die Schrift fett und vergrößern Sie den Zeilenabstand.
Finden Sie auf der vollen Folie eine freie Stelle, an der kein Text steht.
Platzieren Sie Ihr Logo an diese freie Stelle, wenn mögliche auch in wechselnden Größen.
Für Fortgeschrittene: Verwenden Sie eine möglichst geringe Auflösung für Ihr Logo. Dadurch ist es schwerer zu entdecken.
Bitten Sie Ihre Zuhörer, während des Vortrags das Logo zu suchen.
Gewonnen hat, wer zuerst den Sinn des Spiels verstanden hat.
Es lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob es überhaupt sinnvoll ist, jede Folie mit dem eigenen Logo zu schmücken. Ganz sicher unstrittig ist jedoch, dass dieses Wechsel- und Verwirrspiel völlig ungeeignet und aufdringlich wirkt. Folien sind dazu da, das Verständnis der Zuhörer zu unterstützen und nicht zur Ablenkung, indem ständig irgendjemand aus einer anderen Ecke der Folie ruft: „Schaut her, das bin ich.“ Eine verdiente Zitrone des Monats.