Erklären und verstehen

Most professors think about teaching as something the teacher does rather than about what the students are supposed to learn. – Ken Bain

Auf der einen Seite die Lehrer/Professoren, die über ihren Stoff als etwas „Gegebenes“ denken, etwas das sie erklären, und das die Studenten verstehen müssen. Diese Lehrer glauben, ihr Job sei getan, wenn sie es erklärt haben, nicht wenn die Studenten es verstanden haben. „Verstehen“ als Aufgabe des Empfängers statt des Absenders.

Auf der anderen Seite die Lehrer/Professoren, die sich als „Mentoren“ verstehen; deren Job noch lange nicht zu Ende ist, wenn die Studenten den Stoff verstanden haben; die den Studenten nicht nur Verständnis, sondern Neugier, Skepsis, Begeisterung vermitteln wollen und dabei über die Ränder des Faches hinausgehen.

Im Matheunterricht hatten ein Mitschüler und ich verschiedene Lösungen für eine Statistikaufgabe gefunden. Wir verstanden nicht, warum, denn beide Lösungen schienen plausibel, obwohl die Ergebnisse nicht vereinbar waren. Unser Lehrer fand auch keinen Fehler. Das kann passieren. Was nicht passieren sollte: Unser Lehrer hatte keinen Ehrgeiz, die richtige Lösung zu finden. Das Buch habe recht – das sei ja auch plausibel – und folglich ich unrecht. Damit gaben wir uns nicht zufrieden. Mein Mitschüler und ich diskutierten außerhalb des Unterrichts stundenlang, entschlossen uns anschließend, die Aufgabe empirisch mit einem Computerprogramm zu simulieren und wussten dadurch, dass tatsächlich die Lösung im Buch korrekt war. Der Unterschied war jetzt jedoch: mit Hilfe des Computerprogramms konnten wir nun erklären, warum meine falsch war. Wir hatten etwas verstanden.

Es genügt auch für Vortragende nicht, sich zu rechtfertigen, dass man „das“ doch auf Folie 23, Unterpunkt 4 erklärt habe. Erklären ist nicht verstehen. „Verstehen“ ist Aufgabe des Absenders.

Let’s Talk: Präsentationen menschlicher machen

Let’s Talk, die zweite. Diesmal mit Nicole Gugger, leidenschaftliche Präsentationsberaterin aus Stuttgart.

Wir fragen uns u.a. was faul ist an Webinaren und wieviel Wissen eine Präsentation überhaupt vermitteln kann, warum Jura nicht das trockenste, sondern ganz im Gegenteil eines der anschaulichsten Themen überhaupt ist, was passiert, wenn Präsentationen menschlicher werden und vieles, vieles mehr.

Am besten direkt hier anhören:

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Gut, wenn Studierende zu Monstern werden

Die Präsentationswerkstatt der HAWK Hildesheim. Ein Ort für Gründer, die hoch hinaus wollen. Letzte Woche war ich dort zu Gast.

„Die beiden waren ganz kleine Mauerblümchen, versteckten sich so gut hinter ihren langen Haaren, wie es eben ging. Wenn sie über ihre Ideen sprachen, dann entschuldigten sie sich mehr als dass sie präsentierten. Doch präsentieren mussten sie, denn sie brauchten die Fördermittel für ihre Gründungsidee.”

Steffi Rabbe, Gründercoach an der Hochschule HAWK in Hildesheim, springt zum Ende der Geschichte: „Anke hat aus den beiden Monster gemacht. Im besten Sinn. Als sie auf der Bühne standen, sprühten sie vor Selbstbewusstsein. Die Bühne gehörte ihnen, alle waren gebannt von der Präsentation.“

Angebote wie das von Anke Tröders Präsentationswerkstatt an der HAWK brauchen wir an viel mehr Hochschulen. Welch ein Segen, wenn Studierende erzählen können, was sie an ihrer Forschung fasziniert. Wenn sie Begeisterung nicht nur versprühen, sondern wecken. Wenn sie mir erklären können, womit sie sich eigentlich beschäftigen, und warum das für mich relevant ist. Wenn sie das so tun, dass ich es weitererzählen kann, damit ihre Ideen auf Wanderschaft gehen.

Letzte Woche hielt ich an der HAWK einen Gastvortrag und war sofort angesteckt von der Atmosphäre. Studierende von heute sind die Professoren und Forscher, Entwickler und Unternehmer von morgen. Sorgen wir dafür, dass sie darauf optimal vorbereitet sind.

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Sind Vorlesungen überflüssig?

Fast alle Vorlesungen, die Sie während Ihres Studiums gehört haben, waren überflüssig. Warum? Weil der Dozent reines Buchwissen vermittelt hat.

Wir leben aber nicht mehr im Mittelalter, in dem Bücher teuer oder gar nicht vorhanden waren. Bücher sind heute billig, Vorlesungs-Skripte oft kostenlos. Höchste Zeit also, um in Vorlesungen statt Wissen Verstand zu lehren. Hier ein paar Anregungen für Professoren:

  • Es ist nicht Ihre Aufgabe, Fakten zu lehren (die stehen in Büchern), sondern Begeisterung zu wecken (die steht nicht in Büchern).
  • Es ist nicht Ihre Aufgabe, Antworten zu geben (die kann man nachlesen), sondern Fragen zu stellen (damit die Studenten die Herausforderungen Ihres Faches erkennen).
  • Es ist nicht Ihre Aufgabe, Lösungen zu präsentieren (die findet man bald bei Google), sondern anzuspornen, nach besseren Lösungen zu suchen.
  • Es ist nicht Ihre Aufgabe, mit Folien, die Sie nicht einmal selbst gemacht haben, zu langweilen, sondern aus Ihrer Erfahrung Geschichten zu erzählen, die zeigen, was die Fakten aus den Büchern mit der Realität zu tun haben.

Vorlesungen sind nicht überflüssig, aber wir brauchen eine gründliche Erneuerung, die unserer heutigen Zeit gerecht wird.

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Zurück an der Uni

Hauptgebäude der Universität Bonn [Foto: Dr. Thomas Mauersberg]

In den vergangenen beiden Wochen hatte ich wieder das Vergnügen, an meine alte Wirkungsstätte zurückzukehren für zwei Vorlesungen über mein Promotionsthema Ad-hoc-Netze, eine faszinierende, neue Art spontaner Kommunikation. Wie immer hatte ich dabei großen Spaß.

Vorlesungen sind eine recht spezielle Art von Vorträgen. Sie sind deutlich länger als die meisten Präsentationen und sie haben vor allem das Ziel, eine große Menge an Wissen zu vermitteln. Das scheint auf den ersten Blick der Empfehlung zu widersprechen, die Inhalte eines Vortrags auf das Wesentliche zu reduzieren und Details, die nicht für das Verständnis relevant sind, wegzulassen.

Verkehrsschild: Understanding - Next Exit

Für mich ist das jedoch nur ein scheinbarer Widerspruch. Denn Wissen eignet man sich leichter an, wenn Verständnis vorausgeht. Und da sind wir dann doch wieder bei der Reduktion auf das Wesentliche. Denn Verständnis erreicht man nicht dadurch, dass man alle Fakten zu einem Thema einfach aufzählt, sondern dass man die grundlegenden Eigenschaften eines Problems oder den springenden Punkt eines Lösungsansatzes intuitiv begreifbar macht. Oft genug habe ich während meines eigenen Studiums leider das Gegenteil erlebt: Vorlesungen, die reines Faktenwissen vermitteln, oft anhand von Textfolien, während die Studenten Zusammenhänge selber suchen müssen. Das ist verkehrte Welt.

Vorlesungsskript zur ersten Vorlesung

Für meine Vorlesungen erstelle ich daher konsequent Handouts (sprich: Vorlesungsskripte). Handouts befreien von der Last, alles, wirklich alles auf die Folien schreiben zu müssen. Sie erlauben mir, mich stattdessen auf Visualisierungen zu konzentrieren, die das Verständnis optimal unterstützen, Zusammenhänge aufzeigen und Ähnlichkeiten zu Bekanntem aufdecken. So kann ich den Studenten ein solides Grundverständnis der Materie vermitteln, mit dem sie sich selbständig weitere Details aneignen und weiterführende Literatur gut verstehen können.

Wen es interessiert, der kann natürlich gerne einen Blick in mein Handout zum Thema Ad-hoc-Netze werfen.

Übrigens: Am 23. Juli halte ich einen öffentlichen Vortrag Wenn Dell Pizza verkaufen würde in der Andreas-Hermes-Akademie in Bonn. Interessenten sind herzlich eingeladen (Eintritt frei).

Links zu dem Thema:
Vorlesungsskript Mobile Ad hoc Networks
Handouts gegen Death-by-PowerPoint
Was bleibt: Einfaches

[Foto des Uni-Gebäudes: Dr. Thomas Mauersberg] 

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Dr. Michael Gerharz

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