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Interview: Juli Gudehus über Kreativität

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Juli Gudehus ist Gestalterin, genau das: Gestalterin, nicht Designerin oder Grafikerin oder sonst irgend etwas. Im vergangenen Jahr durfte ich in einem tollen Vortrag auf dem Forum Mediendesign in Köln erfahren, warum ihr diese Bezeichnung so wichtig ist, und wie vieler Umwege es bedurfte, bis sie selbst sich dessen klar wurde. In dem tief bewegenden Vortrag gab sie den angehenden Studenten einige wertvolle Erfahrungen mit auf den Weg, die sie auf diesen Umwegen gelernt hatte. Drei davon sind bei mir besonders hängengeblieben: sei du selbst (und versuche nicht irgendjemand zu sein, den andere in dir sehen), du bist kreativ (weil du etwas tust), verfolge deine Träume (damit du das tust, was dir wirklich etwas bedeutet).

Bekannt geworden ist Juli Gudehus durch ihre graphische Umsetzung der Genesis, die sie noch während ihres Studiums zum Shootingstar machte. Das Buch erzählt die Schöpfungsgeschichte mit Hilfe von Piktogrammen auf humorvolle und bisweilen tiefgründige Weise. Im März erscheint eine Neuauflage des Werks im Carlsen Verlag.

Ich habe Juli Gudehus gefragt, was für sie Kreativität bedeutet und wie sie neue Ideen findet.

1. Was ist für Sie “Kreativität”?

Eine ganze Reihe von Tätigkeiten werden untrennbar mit Kreativität assoziiert: singen, malen, basteln, stricken, tanzen, Makramee.

Stimmt das wirklich? einfach so? Unserem Berufszweig, und auch noch ein paar anderen, wird schon von vorneherein die Kreativität zuerkannt. Wir sind die »Kreativen«. Aber sind wir es wirklich? Wir sind kreativ, ein Biochemiker, Bestattungsunternehmer oder Bäcker dagegen nicht. Dieses Vorurteil ärgert mich, vor allem, weil wir es auch noch selber glauben. Und es stimmt einfach nicht. Es gibt verdammt viele »Kreative«, die völlig unkreativ sind. Unkreativ, meine ich, weil ich es nicht für kreativ halte, Bewährtes nachzubeten, und dabei noch nicht einmal zu erkennen, daß man sich damit nicht einen Hauch aus dem breiten Mainstream entfernt. Das ist nicht besser als Kreativität à la Brigitte-Kreativteil. Ein Taxifahrer dagegen, der auf die Idee kommt, während der Fahrt Snacks oder Musik zu verkaufen, ist meiner Meinung nach kreativ. Er selbst wird das vermutlich gar nicht finden. Kommt nicht im Traum darauf.

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Ich denke, es wird Zeit, daß wir unseren Begriff von Kreativität revidieren. Unabhängigkeit, Urteilsvermögen und Eigenantrieb sind für mich Grundbestandteile wirklicher Kreativität. Eine offene Haltung, die Bereitschaft zu zweifeln, die Fähigkeit Fragen zu stellen, sind für mich Grundvoraussetzung, um zu eigenen, originären Lösungen zu finden, und das möglicherweise an unerwarteter Stelle. Echte Kreativität ist in meinen Augen: der Wille zur Neuschöpfung. Und damit meine ich nicht: an der Oberfläche herumschmirgeln, Elemente schön hinschieben.

2. Wie finden Sie “neue” Ideen?

Sie finden mich.

3. Was tun Sie, wenn Ihnen einmal einfach nichts einfallen möchte?

Ich kenne drei Wege, die helfen können, den Knoten zu lösen.

Der eine Weg ist, am Ball zu bleiben. Ich finde überaus hilfreich, alles, was mit dem Vorgang zu tun hat, zu studieren und zu sortieren. Durch diese Arbeit wird die Gehirntätigkeit bei mir oft schon ausreichend angeregt. Wenn das nicht der Fall ist: nochmal studieren und auf andere Weise sortieren, das kann schon helfen. Wenn der Ideenfluß schlimm ins Stocken gerät oder ein Problem unlösbar scheint, halte ich mich an den Rat meines Professors, der mir das Atommodell aufmalte und dazu sagte: “immer in Bewegung bleiben! umkreisen Sie Ihr Problem wie ein Elektron den Atomkern, wechseln Sie die Perspektive, schauen Sie von oben, von unten, von hinten und von der Seite. Aber bleiben Sie immer in Bewegung.”

Der zweite Weg ist, den Vorgang beiseite zu legen und sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen. Egal, was das ist – das Hintergrundprogramm in meinem Kopf läuft weiter und durch die Befruchtung mit Gedanken über Anderes kommt es in der Regel ebenfalls zu interessanten neuen Überlegungen.

Es hat auch – zum Glück selten – Fälle gegeben, wo ich entnervt das Handtuch geworfen habe. Das liegt dann irgendwo rum und ich werde mich zu einem späteren (oder auch zu einem viel späteren) Zeitpunkt wieder damit befassen. Das ist der dritte Weg: Dingen ihre Zeit und ihr Tempo lassen. Manchmal hilft es nicht, eine Lösung erzwingen zu wollen.

Am schwierigsten ist, zu entscheiden, welchen Weg ich in einer mißlichen Lage einschlage.

Interview: Frank Kretschmann über Kreativität

 

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Frank Kretschmann ist ein Tausendsassa. Er ist Fotograf, Musiker, Extremsportler, Weltenbummler und mehr. Und mit all dem überschreitet er Grenzen, vor denen andere lange halt gemacht hätten.

In jahrelanger Arbeit fotografierte er mit drei Kollegen und einer alten Kamera die Städte Nürnberg und Fürth aus völlig ungewohnten bis unmöglichen Blickwinkeln, und nannte das Ergebnis Randzonen. Mit seiner Band Ludwag geht er Wege fernab vom Mainstream und erforscht Klangwelten irgendwo zwischen elektronischer und akustischer Musik. Und als Freeclimber reist er um die ganze Welt, um reine Natur zu erleben, wenn er alleine oder mit Kollegen in viel zu steilen Felswänden hängt.

Ich habe Frank Kretschmann gefragt, was für ihn Kreativität bedeutet und wie er neue Ideen findet.

1. Was ist für Sie “Kreativität”?
Freeclimber in Aktion:

Kreativität bedeutet für mich vor allem, in jeder Situation, auch in unerwarteten Situationen, intuitiv reagieren zu können. Kreativität hat demnach, ganz besonders in meinem Job, viel mit Improvisation zu tun. Ich muss jederzeit in der Lage sein, mich Problemen und Herausforderungen ohne großes vorheriges Planen stellen zu können. Grundvoraussetzung dafür ist natürlich, dass ich mich auf mein Wissen und meine Erfahrung verlassen kann und es in jeder Situation in meiner Arbeit einsetzen kann.

2. Wie finden Sie “neue” Ideen?

Ich bin viel und gern unterwegs, auch viel in der Natur. Dabei treffe ich ständig neue Menschen und neue Orte, von denen jeder einzelne mir neue Anregungen gibt. Ich versuche immer, meine Umgebung mit offenen Augen und Ohren aufzunehmen, mir dabei immer auch einen spielerischen Zugang zu meiner Umwelt zu bewahren.

Wichtig scheint mir auch, neue Ideen nicht krampfhaft zu suchen, nicht ständig darüber nachzudenken, sondern sie entstehen zu lassen, also in meinem Kopf und in meiner Umwelt das richtige Umfeld zu schaffen, in dem Ideen den Weg zu mir finden können.

3. Was tun Sie, wenn Ihnen einmal einfach nichts einfallen möchte?
Feldweg:

Für mich ist das durchaus manchmal befreiend. Ich kann mich darüber freuen und es genießen, einen leeren Kopf zu haben. In der heutigen Zeit ist das ja leider eher selten geworden. Anstatt zu verkrampfen und in Terminstress zu verfallen, benutze ich diese „leeren“ Zeiten gerne, um mich bewusst zu entspannen. So gewinne ich Abstand und Kraft und kann anschließend viel leichter und mit frischem Kopf neu an die Sache herangehen.

Wenn ich auf der Suche nach Ideen bin, für meine Fotografie, meine Musik oder für meinen Sport, ist es in jedem Fall einen gute Idee zu den Anfängen zurückzugehen, sich an seine Basics zu erinnern. Ich versuche also zurück zum Wesentlichen zu kommen und mich auf das Einfache zu konzentrieren und dieses mit höchster Sorgfalt und Präzision auszuführen.

[Fotos: Frank Kretschmann, funst.de] 

 

Interview: Thomas Siffling über Kreativität

 

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Ein Jazz-Trio ist nichts ungewöhnliches, eines ohne Harmonieinstrument (Keyboard, Klavier, Gitarre) schon. Thomas Siffling, Jazz-Trompeter aus Mannheim, hat mit seinem Trio dieses Experiment gewagt und dadurch neue, kreative Wege betreten. Was, wenn auf einmal Trompete und Bass ohne die Grundlage musizieren, die sonst so selbstverständlich von den Klavierakkorden kommt?

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Als Jazz-Liebhaber habe ich Thomas Sifflings Platte kitchen music verschlungen, weil sie vor Kreativität sprudelt, weil sie vertraut klingt und doch kein kalter Kaffee ist, und weil sie selbstverständliches in Frage stellt und gerade dadurch einen wunderbar neuen Zugang zu Vertrautem eröffnet. Am 30. Januar ist sein neues Album cruisen erschienen – auch das ist unbedingt empfehlenswert.

Ich habe Thomas Siffling gefragt, was für ihn Kreativität bedeutet und wie er neue Ideen findet.

1. Was ist für Sie “Kreativität”?

Kreativität ist eine Mischung aus vielem. Wenn man kreativ ist, verarbeitet man viele Sachen gleichzeitig und daher ist Kreativität eine hoch komplexe Angelegenheit. Man verbindet das Gelernte mit dem Erlebten und paart es mit den gerade auf einen einwirkenden Eindrücken und heraus sollte dann ein kreativer Output kommen.

Das Ganze muss dann in meinem Fall auch noch über das Instrument bzw. die Musik kommuniziert werden. Soll heißen: Kreativität fordert auch immer ein gewisses Maß, in diesem Fall an technischen Fähigkeiten, um die Kreativität auch wirklich umzusetzen und kommunizieren zu können. Daher gehört meines Erachtens zur Kreativität auch immer die Umsetzung dazu.

2. Wie finden Sie “neue” Ideen?

Neue Ideen gibt es überall! Sie liegen quasi auf der Straße, wie man so schön sagt. Du bekommst jeden Tag neue Eindrücke, erlebst jeden Tag wieder etwas Neues und so entstehen neue Ideen und Anregungen.

Sicherlich bin ich als Musiker natürlich in der schönen Situation, viel reisen zu können und somit noch mehr auch fremde Eindrücke zu bekommen. Im Moment sitze ich z.B. auf dem Flughafen in Chennai/Indien und schreibe Ihnen meine Gedanken. Ich bin gerade auf einer zweiwöchigen Indien/Sri-Lanka-Tournee und bekomme täglich wahnsinnig viel neue Eidrücke und Ideen.

Aber auch zu Hause im so genannten Alltag ist dies möglich. Man muss nur open minded sein und mit offenen Ohren und Augen und mit viel Interesse durch’s Leben laufen. Oft sind es gerade die Kleinigkeiten, die uns inspirieren und kreativ werden lassen.

3. Was tun Sie, wenn Ihnen einmal einfach nichts einfallen möchte?

Das ist Gott sein Dank noch nie passiert :-) Ich denke aber, dass diese Situation nie eintreten wird, da man ja immer noch auf das, wie oben schon genannt, Erlernte zurückgreifen kann. Soll heißen: man kann in Floskeln oder Redewendungen sprechen bzw. musizieren und sich somit erstmal eine gewisse Sicherheit geben und dann kommt die Kreativität dann meistens doch ganz schnell. Man gibt sich quasi selber den ersten Ruck.

[Fotos: www.thomassiffling.com und Schindelbeck Fotografie] 

 

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