Inhaltsverzeichnis für Präsentationen – aber richtig

Brauchen man ein Inhaltsverzeichnis für Präsentationen? Kurze Antwort: Nein, denn es gibt bessere Orientierungshilfen für Ihre Zuhörer.

Für die lange Antwort, schauen wir erst einmal. warum Bücher eigentlich ein Inhaltsverzeichnis haben. Vor dem Kauf eines Buches kann man daran prüfen, ob es die Themen behandelt, die mich interessieren. Nach dem Kauf dient es als Orientierungshilfe, um schnell die Seite zu finden, auf der sich ein gesuchter Inhalt befindet.

Wofür braucht man solch ein Inhaltsverzeichnis in einem Vortrag, dort häufig Agenda oder Überblick genannt? Antwort: Gar nicht.

Vorspulen geht nicht

Einschläfernd: Das Inhaltsverzeichnis für Präsentationen

Keine der beiden Funktionen könnte eine Agenda-Folie in einem Vortrag erfüllen. Ob ich den Vortrag kaufe, also Zeit investiere, um ihn mir anzuhören, entscheide ich anhand anderer Kriterien wie Titel, Kurzzusammenfassung, Name des Vortragenden. Zu einem besonders interessanten Thema innerhalb eines Vortrags zu springen ist erst recht unmöglich, denn Vorspulen geht nicht. Konsequenz: Agenda-Folien, so wie sie in vielen Vorträgen verwendet werden, sind überflüssig.

Aber heißt es nicht, man solle sein Publikum nicht im Ungewissen lassen über das, was sie während des Vortrags erwartet? Heißt es nicht, man solle vorab sagen, wohin die Reise gehe? Ja, so heißt es – nur ist ein Inhaltsverzeichnis für Präsentationen normalerweise die falsche Methode, eben weil es in einem Vortrag seinen Zweck nicht erfüllt.

Es gibt bessere Orientierungshilfen als ein Inhaltsverzeichnis für Präsentationen

Stattdessen sollten Sie lieber etwas zur Orientierung Ihres Publikums verwenden, was auch wirklich nützt. So wie z.B. Annie Leonard, die in ihrer bekannten Präsentation The Story of Stuff erklärt, wieviel Müll wir jedes Jahr produzieren. Das tut sie anhand der Prodouktions- und Konsumkette von Gütern, die folgerichtig auch zur Gliederung ihrer Präsentation dient.

Besser als ein Inhaltsverzeichnis für Präsentationen: Die visuelle Gliederung, wie sie z.B. Annie Leonard verwendet

So weiß das Publikum nicht nur, wie die Präsentation strukturiert ist. Annie Leonard hat gleichzeitig die Möglichkeit, ihre Aussagen immer wieder in Bezug zu dieser Kette zu setzen.

Immer wieder kehrt Leonard zu Ihrer Gliederung zurück

Meine letzte Keynote habe ich gegliedert, nachdem ich den berühmten Ausspruch von Prof. Sweller zitiert habe: „Es ist ein Desaster wie PowerPoint für Präsentationen verwendet wird. Werfen Sie das über den Haufen.“ Meine Versprechen danach war: dafür werde ich während meines Vortrags drei Gründe und die passenden Lösungen nennen. Dieses Versprechen habe ich visuell umgesetzt und hatte so die Möglichkeit, zur Wiederholung immer wieder darauf zurückzukommen:

Beispiel für ein visuelles Inhaltsverzeichnis für Präsentationen: Die visuelle Agenda meines letzten Vortrags

Entscheidend ist, dass das Publikum weiß, wohin die Reise geht. Es ist nicht nötig, jeden einzelnen Zwischenhalt vorher genau zu beschreiben. Folien sind ein visuelles Medium. Ihren größten Nutzen entfalten sie, wenn sie den gesprochenen Text visuell sinnvoll ergänzen. Das gilt eben auch für die Agenda-Folien. Wenn Sie eine brauchen, dann gestalten Sie sie so, dass sie Ihrem Publikum nützt.

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Vorspulen geht nicht

Wie oft lesen Sie in einem Fachbuch aufmerksam das Inhaltsverzeichnis? Ich vermute einmal, dass das höchst selten der Fall ist. Haben Sie sich vielleicht auch schon einmal dabei ertappt, die Einleitung zu überspringen oder die Grundlagen nur grob zu überfliegen, um gleich zu den interessanten Teilen zu kommen?

Bei einer Präsentation können Sie das leider nicht. In einer Präsentation müssen Sie einfach durch, wenn der Vortragende Ihnen in aller Ausführlichkeit sein Inhaltsverzeichnis präsentiert (die Gliederungsfolie), und dann bei Adam und Eva anfängt, um auch wirklich alle (vermeintlich) wichtigen Voraussetzungen gennant zu haben.

Zuhörer sind gelangweilt vom Vortrag

Die natürliche Reaktion der Zuhörer bei solchen Vorträgen, da Vorspulen nicht möglich ist: Abschalten und darauf hoffen, rechtzeitig aufzuwachen, wenn die wirklich wichtigen Dinge kommen. Aus Sicht des Vortragenden ist das allerdings der größte anzunehmende Unfall, denn ein Zuhörer, der einmal abgeschaltet hat, ist nur schwer zu begeistern. Also: verschwenden Sie Ihre wertvolle Zeit nicht damit, Ihre Zuhörer schlafen zu schicken, nur weil jeder es so macht, sondern nehmen Sie Ihre Zuhörer von Anfang an mit auf die Reise, indem Sie Ihnen einen überzeugenden Grund liefern, Ihnen eine Stunde Aufmerksamkeit zu schenken – ein Inhaltsverzeichnis tut das sicher nicht.

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Dr. Michael Gerharz

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