Sind wir nicht alle ein bisschen Charlie Brown?

Jeder weiß, dass es Bullshit ist, und doch scheint es zu funktionieren: Könnte doch sein, dass diesmal wirklich ein Schnäppchen dabei ist, oder nicht?

Jedes Mal lässt Charlie Brown sich wieder rumkriegen. Er weiß es eigentlich besser. Aber er hofft dennoch, dass Lucy diesmal den Football liegen lässt. Und wir schauen jedes Mal zu. Denn jedes Mal ist auch bei uns dieser Funke Hoffnung. Könnte doch sein, dass diesmal, nur dieses eine Mal, die Geschichte anders ausgeht, oder nicht?

Und tut sie es? Natürlich nicht. Jedes Mal läuft Charlie Brown an, zielt auf den Ball, will schießen. Jedes Mal zieht Lucy den Ball im allerletzten Augenblick weg. Und Sie? Denken sich: Wusste ich doch!

Wussten Sie ja auch. Aber warum schauen Sie es dann an?

Weil Sie mit Charlie Brown fühlen. Er tut Ihnen leid. Und deswegen haben Sie Hoffnung! Jedes Mal ein wenig. Die Hoffnung, dass vielleicht diesmal … könnte doch sein … oder etwa nicht?

Hoffnung ist ein starkes Gefühl

Hoffnung ist ein starkes Gefühl. Wir hoffen auf einen guten Ausgang, auf ein schönes Geschenk, auf ein Lob, die Lösung für ein Problem, die Linderung von Schmerzen, die Erfüllung eines Wunsches, einen Antrag, eine gute Note, einen spannenden Film, einen guten Vortrag. Wir hoffen für uns und für andere.

Und weil wir oft hoffen, sind wir dort leicht zu packen. Wir hoffen selbst dann, wenn wir wissen, dass wir enttäuscht werden. Charlie Brown verliert jedes Mal. In Omas Geschenk sind jedes Jahr doch wieder Socken. Die Vorabendserie enttäuscht jedes Mal, der Vortrag langweilt. Und trotzdem … Was, wenn es diesmal anders ist … Könnte doch sein … Ein Funke Hoffnung bleibt.

Hoffnung ermöglicht Bullshit

Also hoffen wir weiter, wie Charlie Brown. Und weil das so ist, gibt es so viel Bullshit da draußen. Casting-Shows, die die Spannung nur dadurch aufrecht erhalten, dass sie Informationen möglichst lange vorenthalten. Präsentationen, die mit Special-Effects den Anschein von Substanz erwecken wollen. Unternehmen, die Promis bezahlen, damit sie etwas nettes über ein Produkt sagen.

Und jedes Mal ist die Show lahm, die Präsentation langweilig, das Produkt ein Reinfall.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Aber dann kommt er doch, ganz unverhofft. Der Tag, an dem sich der Spieß umdreht. Der Tag, an dem wir zusehen dürfen, wie Lucy sich selbst veräppelt, noch bevor sie den Ball wegziehen kann.

Letzte Woche hieß Lucy Samsung. Sie hatten den Regisseur Michael Bay (Transformers) dafür bezahlt, auf der Bühne irgendeinen PR-Bullshit über Samsungs neue Fernseher zu erzählen. Das ist so gründlich in die Hose gegangen, dass Bay einem fast leid tun konnte.

Passieren konnte das nur, weil Bay vorgekauten PR-Bullshit, an den er selbst nicht glaubte, erzählen (= ablesen) sollte.

Tun Sie das nicht! Werben Sie für ihr Produkt mit einer Story, an die Sie glauben und holen Sie sich Unterstützung von Menschen, die das ebenfalls tun.

Denn Sie wissen jetzt: Die Hoffnung stirbt zuletzt – und am Ende siegt immer das Gute.

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Die Special-Effects-Präsentation

Der eine Raum unscheinbar. Ein kleiner Mann, Sakko, weißes Hemd, mannshohe Projektionsfläche.

Der andere Raum schon gar kein Raum mehr, vielmehr eine riesige Halle mit drei gewaltigen Kinoleinwänden. Ein Kammerorchester neben der riesigen Bühne, ein Magier, ein Regisseur von Weltrang, ein Zeremonienmeister und viele Manager in Abendgarderobe.

Die eine Präsentation spannend, die andere langatmig, ja langweilig. Was glauben Sie: welche ist welche?

Alltag oder Magie?

„We’re the people with the smile on the box.“ Dieses Paket hat wahrscheinlich jeder schon einmal erhalten.

Samsungs gigantische Bühne für ihre Pressekonferenz auf der IFA in Berlin. Eine große Bühne garantiert noch keine spannede Präsentation.

Die eine Präsentation startet mit einem kurzen Film. Er beginnt mit den Worten: „We’re the people with the smile on the box.“ und zeigt dazu die Bilder eines Amazon-Pakets, das zuhause abgeliefert wird.

Die andere Präsentation startet mit einem Magier, der zu Orchestermusik ein paar Kartenspielertricks vorführt. 9 Minuten später fragt der Zeremonienmeister: »Shall we begin?«

Was glauben Sie: Was spricht das Publikum mehr an?

Alltag oder Kunst?

Haben Sie schon einmal im Freien ein Buch gelesen oder auf ein Display geschaut? Dann können Sie sich ganz einfach vorstellen, was ein besseres Display nützt.

„I believe that we all have a speck of creativity inside and it just needs to be brought out.“ Nimmt das jemand aus dem Mund dieses Herrn ernst?

Auf der einen Bühne erklärt Amazon-Chef Jeff Bezos, dass die neuen Kindles besseren Wlan-Empfang haben, damit HD-Filme schnell genug geladen werden. Er zeigt, wie eine neue Bildschirm-Technologie die Lesbarkeit im Sonnenlicht verbessert. Jeder, der schon einmal auf einen Download gewartet oder im Freien auf ein Display geschaut hat, kann sich in diese Situationen hineinversetzen.

Auf der anderen Bühne zeigt der »Kreativitätsbotschafter für das Galaxy Note«, Wim Wenders, wie ein paar Studenten einen Kunstfilm »Recreate Berlin« gedreht haben, in dem Berlin gar nicht neu erfunden wird. Und ein Samsung-Manager im Anzug erklärt, dass in jedem (auch in ihm?) Kreativität stecke, die nur frei gelassen werden müsse. Große Worte, aber kann sich da jemand hineinversetzen? Es folgen etliche Filme, in denen ein Magier neue Samsung-Geräte (im wahrsten Sinn des Wortes) aus dem Hut zaubert.

Was glauben Sie, womit kann man sich besser identifizieren?

Special-Effects oder gute Story?

Immer wieder bemüht Samsung das Bild der „magischen Produkte“. Das ist nicht nur abgestanden, sondern auch völlig abstrakt. Außerdem: Glaubt das einer?

In Amazons Filmeinspielungen erzählen „normale“ Nutzer, wie sie den Kindle nutzen. Das ist auch nicht neu, aber als Zuschauer denkt man sich leichter in diese Personen hinein.

Samsung setzt auf den Wow-Effekt. Amazon auf den Aha-Effekt. Deshalb braucht Amazon den ganzen Pomp von Samsung nicht, der verpufft, weil der Aha-Effekt aufgesetzt wirkt und manchmal ganz fehlt. Wie bei Actionfilmen: gute Special-Effects mögen nett aussehen, aber ohne gute Story bleibt der Film öde.

Und warum funktioniert Amazons Präsentation? Weil Jeff Bezos sich von der ersten Minute an bemüht, den Zuschauer (bzw. den Kunden) in den Mittelpunkt zu stellen. Er schafft Bilder, in die wir uns hineinversetzen können. Wir alle haben schon einmal ein Amazon-Paket erhalten. Und jeder hat sich schon einmal darüber geärgert, dass er sein Handy-Display im Sonnenlicht nicht lesen konnte.

Amazon macht so den Zuschauer – jeden einzelnen – zum Helden, weil wir uns mit den Situationen identifizieren können. Samsungs Helden sind Künstler und Manager im Anzug, und nicht einmal echte Promis. Wir wollen kein Wim Wenders sein, auch kein Magier (jedenfalls die meisten nicht).

Wenn Ihre Präsentation spannend sein soll, brauchen Sie einen Helden, mit dem sich ihr Publikum identifizieren kann. Sie brauchen keinen teuren Wow-Effekt, sondern einen echten Aha-Effekt.

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Auf der größten Party der Welt putzt man sich fein heraus. Nicht kleckern, sondern klotzen, ist dort angesagt. Die CES ist die größte Party der Konsumelektronik-Welt, die jedes Jahr Anfang Januar in der Show-Stadt Las Vegas stattfindet.

Einer der größten Partylöwen ist dort Samsung. Natürlich haben auch sie sich mit ihrer Pressekonferenz ganz schön herausgeputzt für diese CES-Party. Hier ist ein kleiner Ausschnitt der Präsentation:

Sieht gar nicht schlecht aus, oder? Aber lange erträgt man es nicht (hier die gesamte Präsentation). Denn was hier glänzt, ist noch lange kein Gold. Aber woran liegt es, dass der erste Eindruck so weit vom zweiten entfernt ist?

Wo soll ich hinschauen?

Ständig ist irgendetwas in Bewegung. Auf der Leinwand funkelt und blinkt es. Ein Bild jagt das andere, alles ist animiert.

Das sieht zwar schicker aus als die übliche PowerPoint-Präsentation, ist aber auf Dauer auch nicht besser als die hereinfliegenden Bullet Points, die wir eigentlich schon vor zehn Jahren hinter uns gelassen hatten. Auf der Leinwand passiert so viel, dass man bisweilen gar nicht recht weiß, wo man hinsehen soll. In diesem Ausschnitt etwa gibt es vier Bereiche, die um die Aufmerksamkeit des Auges buhlen: den Redner, das Produkt mit animierten Bildschirm, die Überschrift und die Bullet Points.

Beispiel aus Samsung CES-Pressekonferenz

Was soll ich mir merken?

Jede ordentliche Präsentation braucht einen Küchenzuruf, den man sich merken kann. Aber wie bringt man Fernseher, Smartphones, Kühlschränke und Laptops unter einen Hut. Samsungs Antwort: Mit einer Phrase, die jede Firma aus jeder Branche zu jeder Zeit über jedes Produkt sagen würde: „Pushing Boundaries“ (dt: „Grenzen verschieben“). Geht es allgemeiner?

Samsungs CES-Motto: Pushing Boundaries

Wie unwohl Samsung sich selbst damit fühlt, erkennt man daran, dass in den einzelnen Abschnitten der Präsentation weitere Merksätze verwendet werden:

Samsung möchte das Leben der Konsumenten einfacher, smarter und angenehmer machen. Geht es allgemeiner?

Samsung „Zukunft der Komsumelektronik“

Samsungs Fernseher verschieben Grenzen durch „Smart Interaction“, „Smart Content“ und „Smart Evolution“. Geht es allgemeiner?

Samsung „Zukunft des Fernsehers“

Erreicht wird das durch die drei Bausteine „Inhalte“, „Dienste“ und „Verbindungen“, die die Zukunft der Konsumelektronik prägen. Geht es allgemeiner?

Samsungs Bausteine für den Fernseher der Zukunft

Was soll ich mir hier eigentlich merken? Auf drei verschiedene Weisen wird hier die „Zukunft der Konsumelektronik“ definiert. Einprägsam ist das nicht.

Ein Funkeln macht noch keinen Diamanten

Vielleicht ist das ja auch der Grund für die allzu opulente visuelle Gestaltung der Präsentation. Die sieht gut aus, keine Frage. Die visuelle Umsetzung des Mottos „Pushing Boundaries“ als Weltraum-Erkundung ist ok. Aber einprägsam ist das alles nicht. Weil es abstrakt (letztlich auch abgedroschen) bleibt, habe ich keinen Bezug zum Motto „Pushing Boundaries“. Und weil die Präsentation viel zu schnell daher kommt und ständig alles in Bewegung ist, habe ich auch keine Zeit, über die Bedeutung nachzudenken.

Für einen echten Party-Star braucht es doch mehr als nur schicke Klamotten.

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