Jonglieren mit Gedanken

Fast jeder kann mit zwei Bällen jonglieren. Mit drei können viele. Vier sind schon schwer, noch mehr kann kaum jemand.

Mehrere Dinge gleichzeitig im Kopf zu behalten, ist ganz ähnlich … Zwei? Ist einfach. Drei? Auch noch. Ab vier wird’s schwieriger und danach knackig. Je komplizierter die Dinge sind, die man im Kopf behalten muss, desto knackiger.

Wenn Sie mit zu vielen Bällen in Ihrem Vortrag jonglieren, wird’s auch für Ihre Zuhörer schwierig. Die Zuhörer lassen Bälle fallen und während sie noch damit beschäftigt sind sie aufzuheben, fallen schon die nächsten.

Leider sind aber die meisten Themen, gerade die, die es wert sind, Thema einer Präsentation zu sein, kompliziert. Da kommt man einfach nicht mit ein paar Bällen aus.

Zum Glück haben Gedanken allerdings eine Eigenschaft, die echte Jonglier-Bälle nicht besitzen. Gedanken können sich zu größeren Gedanken zusammenfügen. Gedanken können andere Gedanken triggern. Aus Äpfeln, Birnen und Bananen wird Obst. Aus Obst, Gemüse und Getreide wird vegetarische Ernährung. Vegetarische Ernährung hat Effekte, die Sie durch eine Geschichte erst veranschaulichen und dann abstrahieren, um daraus eine konkrete Ernährungsempfehlung abzuleiten. Zu jedem Zeitpunkt halten Sie höchstens vier Bälle in der Luft, so dass jeder mühelos folgen kann. Komplex in der Konstruktion, einfach in der Erzählung.

Mit einer klaren Story und einer klaren Struktur können Sie äußerst komplexe Dinge in die Köpfe der Zuhörer bringen, solange Sie die Komplexität sinnvoll und Schritt-für-Schritt aufbauen.

„Und? Wie war der Vortrag?“

Auf diese Frage können Sie immer eine Antwort geben, ganz egal, wie gut oder schlecht der Vortrag war, den Sie heute Nachmittag gehört haben. Bestenfalls antworten Sie mit dem Küchenzuruf, den der Vortragende sich gewünscht hat, schlimmstenfalls mit „Keine Ahnung, war viel zu kompliziert.“ Aber eine Antwort haben Sie immer.

Ihr Publikum auch.

Sobald Sie das akzeptieren, wird es einfacher, den Vortrag zuzuspitzen. Denn wenn Ihr Publikum sowieso gnadenlos kürzt und zuspitzt, dann können Sie ihm auch zuvorkommen. Überlassen Sie nicht dem Zufall, was beim Publikum hängen bleibt, sondern spitzen Sie Ihren Vortrag so zu, dass Ihr Publikum nicht anders kann, als Ihren Küchenzuruf zu übernehmen.

Und was ist, wenn Ihr Thema doch zu komplex ist, um es auf einen Küchenzuruf zuzuspitzen? Keine Sorge! Ihr Publikum erledigt das für Sie. Das Publikum hat immer eine Antwort, ob Sie wollen oder nicht.

Es gibt keine zu komplexen Themen. Als John F. Kennedy 1961 das Mondprogramm der NASA für die nächsten Jahre vorstellte, brachte er es mit einem Satz auf den Punkt, den eine ganze Nation wie ein Mantra wiederholte:

I believe that this nation should commit itself to achieving the goal, before this decade is out, of landing a man on the moon and returning him safely to the earth.

Wenn das Mondprogramm nicht zu komplex für einen Küchenzuruf war, dann ist es Ihr Thema mit Sicherheit auch nicht. Wenn Sie finden, Ihr Thema sei zu komplex, haben Sie sich nicht genug angestrengt.

The Phones Start Talking

Würden Sie das unterschreiben: manche Themen sind einfach so kompliziert, die kann man einem Laien in einer kurzen Präsentation nicht näher bringen.

Ich würd’s nicht unterschreiben, sondern versuche stattdessen, Ihnen einen kurzen Einblick in mein Promotionsthema zu geben, das im Detail zumindest so kompliziert ist, dass es mich einige Jahre beschäftigt hat. Fragt man Wikipedia, was ein Ad-hoc-Netz ist, so lernt man, es sei ein Funknetz, das zwei oder mehr Endgeräte zu einem vermaschten Netz verbindet, um darüber Daten von Netzknoten zu Netzknoten weiter zu reichen. Aha. Nicht klar wozu das gut sein soll?

Ich versuch’s mal anders, nämlich mit einer kleinen Präsentation

Links zu dem Thema:

 

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Dr. Michael Gerharz

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