Zitrone des Monats Juli 2008

Zitrone des Monats

Wozu noch Dokumente schreiben, wo es doch PowerPoint gibt. Immer häufiger verzichten Studien auf die Veröffentlichung erläuternder Dokumente und machen lieber gleich alles in PowerPoint. So auch die BKK, die in Zusammenarbeit mit TNS Healthcare eine Umfrage zu den Wartezeiten bei deutschen Ärzten durchgeführt hat.

Das Dokument erweckt, weil es eben PowerPoint ist, den Anschein der Übersichtlichkeit und der mundgerechten Aufbereitung der Ergebnisse, löst dieses Versprechen aber nicht ein. Auf jeder Folie muss man sich neu orientieren:

Pasted Graphic 2

mal sind die Verteilungen in Tortendiagrammen angegeben, mal in Balkendiagrammen. Diese sind wiederum mal horizontal, mal vertikal und mal gestapelt. Mal sind die Fachärzte in gewichteter Reihenfolge, mal in zufälliger (Folie 12). Und immer wieder muss man genau lesen, wenn man Beziehungen zwischen den Diagrammen herstellen möchte. Ein sinnvolles Diagramm nimmt dem Leser so viel Arbeit wie möglich ab. Diese Diagramme erschlagen aber auf jeder Folie auf’s Neue, weil es zu wenig Konsistenz gibt.

Pasted Graphic 4

Ein gehöriger Teil dieser Probleme ist auch auf das Format Folienpräsentation zu schieben. Der geringe Platz auf einer Folie, der zudem noch mit Logos, Kopfzeile und Überschriften geteilt werden muss(?), erfordert eben eine ganze Reihe Kompromisse. Für das Wichtigste, die eigentlichen Daten, steht somit weniger als die Hälfte des Platzes zur Verfügung.

Folien als Dokumente können durchaus funktionieren; der Wettbewerb um die besten Folien der Welt auf slideshare hat das im letzten Jahr gezeigt (übrigens läuft der Wettbewerb gerade wieder). Wenn es aber um die übersichtliche Aufstellung gesammelter Daten geht, ist dafür ein ausformuliertes Dokument besser geeignet, da es erheblich weniger Kompromisse in Layout und Design erfordert, eine viel bessere als die mickrige 800×600-Pixel-Auflösung bietet und so letztlich eine übersichtlichere Darstellung der Daten ermöglicht (Tabellen gehören hier übrigens durchaus dazu).

Die Zitrone des Monats geht also in diesem Monat an ein Dokument, das keines ist, aber gerne eines geworden wäre.

Übrigens: Ich habe selbst eine kleine Umfrage zum Thema Präsentationen gestartet und freue mich, wenn auch Sie sich maximal fünf Minuten Zeit nehmen, um die Fragen zu beantworten. Hier klicken.

Links zu diesem Thema:
Zitrone des Monats Juni 2008
Zitrone des Monats Mai 2008
Zitrone des Monats April 2008

Tabellen in Präsentationen

Akkulaufzeiten des iPhones

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und ein Diagramm sagt mehr als tausend Zahlen. Eine gängige Empfehlung lautet daher, Tabellen in Präsentationen zu vermeiden und den Inhalt durch Diagramme zu veranschaulichen. Hätte Apple bei der Vorstellung des iPhone 3G für diese Folie, die die Akkulaufzeiten auflistet, also lieber ein Balkendiagramm verwenden sollen, damit die Zuhörer nicht mühsam die ganze Tabelle lesen müssen und einen direkten Vergleich der Werte erhalten?

Akkulaufzeiten des iPhones als Balkendiagramm

Nein. Diagramme sind dazu da, Zusammenhänge zwischen Zahlen hervorzuheben und übersichtlich zu präsentieren. Hier wird aber gar nichts verglichen. Es geht in der Tabelle gar nicht darum, dass man länger Video schauen kann, als über 3G zu telefonieren, oder dass man vier mal so lange Musik hören kann wie surfen. Es ist einfach eine Aneinanderreihung von Fakten. Ein Diagramm ist da völlig fehl am Platz, da es einen falschen Zugang zu den Daten suggeriert. Sinnvoll wäre ein Diagramm etwa, um die Akkulaufzeiten mit denen der Konkurrenz zu vergleichen, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Wenn also diese Zahlen als Fakten im Vortrag genannt werden sollen und kein Schwerpunkt auf den Vergleich mit anderen Zahlen gelegt wird, dann ist es auch richtig, sie in Form einer Tabelle und nicht als Diagramm zu präsentieren.

Aber kann man denn nicht wenigstens die Anwendungsarten durch Bilder veranschaulichen, z.B. den entsprechenden iPhone-Icons? Kann man, ich würde es aber nicht tun, denn übersichtlicher wird die Tabelle dadurch nicht und keiner der Begriffe wird durch das Symbol wirklich anschaulicher. Bilder sind sinnvoll, um das Verständnis zu unterstützen. Hier sind die Begriffe aber so klar, dass die Bilder nur zusätzliche Unruhe in die Folie bringen. Lässt man den Text ganz weg, ist die Folie nur noch schwer verständlich und die kleinen Symbole zerstören die Wirkung des großen Akkusymbols.

Akkulaufzeiten des iPhones mit Icons zum TextAkkulaufzeiten des iPhones nur mit Icons

Design is about removing the superfluous and adding the meaningful. (Garr Reynolds)

Links zu dem Thema:
Video der WWDC-Keynote 2008 

IKEA färbt Pac-Man grün

Pac-Man-Diagramme bei IKEA

Wer kennt nicht den kleinen, gelben, immer hungrigen Computerspieleball Pac-Man? Völlig überraschend habe ich ihn heute auf der Webseite von IKEA wiederentdeckt. Auf dem Boden liegend und ganz grün im Gesicht. Wie konnte es dazu kommen?

IKEA präsentiert auf diese Weise wichtige Kennzahlen des Unternehmens, jeweils aufgeteilt nach den Regionen Europa, Nordamerika und Asien. Was dabei herausgekommen ist, sieht vielleicht auf den ersten Blick ganz nett aus, offenbart aber auf den zweiten Blick eine ganze Reihe an Problemen.

Legende zu IKEAs Pac-Man-Diagramm

Der gravierendste Mangel betrifft die inkonsistente Bedeutung der Farbtöne. Zwar ist Europa immer dunkelgrün dargestellt; aber der hellste Grünton repräsentiert im mittleren Diagramm Nordamerika, in den beiden übrigen dagegen Asien. Das ist eine Stolperfalle, die die Interpretation der Daten deutlich erschwert, die man jedoch leicht hätte verhindern können. Aber wer nicht genau hinsieht, ist ohnehin verloren, da das Diagramm selbst nicht beschriftet ist. Was eigentlich dargestellt ist, erkennt man erst, wenn man den Text rechts neben dem Diagramm liest und dann die Zuordnung zu den Flächen mühsam selbst vornimmt.

Wie geht es besser? Zuallererst würde ich mich von der 3D-Darstellung verabschieden. Das mag zwar nett aussehen, vermindert aber die Lesbarkeit, insbesondere wenn man auch noch die Diagramme untereinander vergleichen möchte. Natürlich sollte die Zuordnung der Farben konsistent sein. Außerdem würde ich einen etwas stärkeren Kontrast wählen. Abschließend würde ich die Fakten an das Diagramm selbst schreiben, damit die Zuordnung leichter fällt. Jetzt sieht man auf einmal sehr deutlich, dass Asien zwar für den Umsatz ziemlich unbedeutend ist, im Einkauf aber eine große Rolle spielt (leider liegen mir dazu keine absoluten Zahlen vor).

Verbesserungsvorschlag für IKEAs Pac-Man-Diagramme

Der Vergleich von Tortendiagrammen mit Pac-Man ist übrigens vor einiger Zeit schon einmal in Form dieses Diagramms durch das Internet gegangen. Letztlich geht er zurück auf die seit Ewigkeiten schwelende Diskussion zwischen Statistikern und Grafikern, ob Tortendiagramme überhaupt zur Darstellung statistischer Zahlen geeignet sind. Mehr dazu in den Links.

Tortendiagramm, das aussieht wie Pac-Man

Links zu dem Thema:
Wikipedia-Artikel zu Tortendiagrammen, mit kurzer Diskussion der Nachteile
Verteidigung von Tortendiagrammen
Ursprünglicher Pac-Man-Tortendiagramm-Joke
Buch: The Visual Display of Quantitative Information, Edward Tufte
Buch: Information Dashboard Design, Stephen Few

Nützliche Übersicht über Diagrammtypen

Suchfunktion der Webseite Information Design Patterns

Eine empfehlenswerte Übersicht über Diagramme zur Visualisierung vorwiegend statistischer Daten bietet die Webseite Information Design Patterns des Berliner Designers Christian Behrens. Die Seite ist entstanden während seiner Masterarbeit, die er kürzlich an der Fachhochschule Potsdam fertiggestellt hat.

Die Webseite liefert grundlegende Informationen zu den wichtigsten Diagrammtypen. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf interaktiven Grafiken, wenngleich viele der besprochenen Diagramme auch statisch genutzt werden können. Übrigens: obwohl interaktive Diagramme in Präsentationen eher selten Verwendung finden, gibt es einige beeindruckende Beispiele dafür.

Besonders nützlich ist auf der Webseite die Suchfunktion. Anhand verschiedener Suchkriterien lässt sich die Wahl der Diagramme geeignet einschränken. Das finde ich persönlich deutlich sinnvoller als die kürzlich hier ebenfalls vorgestellte Gruppierung in einem Periodensystem.

Buchseite der Masterarbeit

Für die Masterarbeit hat Christian Behrens das Ganze natürlich auch in Buchform gegossen. Dabei ist ein äußerst ansehnliches Werk heraus gekommen (zu finden auf seiner Homepage). Nach zahlreichen Nachfragen denkt Christian jetzt darüber nach, das Buch in Serie drucken zu lassen. Wer daran interessiert ist, der schreibt ihm das am Besten in einer Mail, um ihn darin zu bestärken. 

Hauptsache schrill

Erläuterung der Umsatzentwicklung in der Präsentation der Geschäftszahlen der Coca-Cola-West

Bevor wir weiterziehen, wollen wir uns noch eine letzte Cola genehmigen, da der Vorrat an schlechten Beispielen schier unerschöpflich ist. Mit dieser Folie veranschaulicht Coca-Cola West, wie sich der Umsatz von 2006 zu 2007 und 2008 verändert und schlüsselt die wesentlichen Einflussfaktoren auf. Auch diese Folie hat eine Reihe von Problemen.

Das größte Problem ist die nicht maßstabsgetreue Repräsentation der Kästen. Besonders auffällig ist, dass die Höhen nicht proportional zu den Zahlenwerten sind. Wenn man etwas genauer hinsieht, erkennt man darüber hinaus, dass die Breiten der Kästen nicht gleich sind. Das Diagramm sorgt dadurch eher für Verwirrung als für ein leichteres Verständnis.

Das schrille Layout hilft auch nicht gerade weiter und hat selbst eine ganze Reihe von Problemen: Zunächst bleibt unklar, warum die positiven Faktoren “sales growth” und “cost reduction” übereinander, die negativen Faktoren aber nebeneinander stehen. Ferner sind die Tabellen, die die Kostenreduzierungen erläutern, trotz der Pfeile schwer zuzuordnen. Und schließlich gibt es wieder eine Reihe liebloser Anfängerfehler mit den Schriftgrößen, der Anordnung der Objekte und noch einiges mehr.

Wie immer liefere ich einen Vorschlag, wie es besser gehen könnte. Als offensichtlichste Änderung habe ich die Einflussfaktoren als Pfeile und nicht als Kästen gezeichnet. Auf die schrille Farbgebung habe ich verzichtet. Dafür sind die Schrittweiten jetzt proportional zu den entsprechenden Zahlenwerten. Schließlich habe ich die Tabellen direkt neben die entsprechenden Kategorien angeordnet.

Verbesserungsvorschlag für die Folie

Noch eine Cola, bitte

Besonders schlechtes Beispiel aus der Präsentation der Coca-Cola-West-Geschäftszahlen

Der Coca-Cola-Abfüller Coca-Cola-West aus Japan hat sich mit dieser (und natürlich den übrigen Folien) die Zitrone des Monats redlich verdient. Aber was genau ist eigentlich so schlecht an dieser Folie? Ich nutze die Gelegenheit einmal für einen weiteren Vorher-Nachher-Vergleich.

Folien sind dazu da, eine Präsentation optimal zu unterstützen und die wesentlichen Aussagen zu unterstreichen. Diese Folie ist jedoch so voll, dass man gar nicht weiß, wo man beginnen soll.

Es gibt drei wesentliche Elemente: eine Abbildung, die die Drei-Farben-Stratgie von Coca-Cola veranschaulicht, ein Diagramm, das die Veränderung des Ergebnisses zum Vorjahr zeigt, und eine Tabelle, die für jede der Farben Statistiken zeigt. Alle drei Elemente schreien durch ihre schrille Farbgebung nach Aufmerksamkeit. Was ist eigentlich das Wesentliche und was nur erklärende Zusatzinformation? Betrachten wir die drei Elemente im Einzelnen.

Die Abbildung
Abbildung zur Veranschaulichung der Drei-Farben-Strategie

Eigentlich eine gute Idee, jedoch amateurhaft umgesetzt. Zu jeder Farbe der Drei-Farben-Strategie wird das Logo dargestellt und durch die entsprechende Farbe noch visuell unterstützt. Hier beginnt aber schon das Grauen. Die farbigen Boxen sind stümperhaft ausgerichtet. Die Logos überlappen und decken ihre farblichen Boxen nicht richtig ab. Außerdem ist unklar, welchen Zweck die Farbverläufe erfüllen, die zudem noch größtenteils hinter den Logos verschwinden. Unklar ist auch, warum die Schriften hier mit Schatten versehen sind, was die Lesbarkeit verschlechtert (und so nicht noch einmal verwendet wird). Auch die hässlichen weißen Streifen in der silbernen Box zeugen nicht gerade von Sorgfalt beim Design.

Die Tabelle
Die Tabelle enthält Angaben zum Zielmarkt, zum Umsatz und zur Veränderung im Vergleich zum Vorjahr

Die Tabelle gibt für jede der drei Farben drei Werte an, die Zielgruppe, den Umsatz im Jahr 2007 und die prozentuale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr. Außerdem werden in der letzten Zeile die akkumulierten Werte für alle drei Farben genannt. Das größte Problem an der Tabelle ist die Spalte “target”, die hier, unter der Überschrift “Umsatz”, nämlich eigentlich nichts zu suchen hat. Viel besser würde die Information in den Kontext der Abbildung passen, um die Bedeutung der drei Farben zu erläutern. An dieser Stelle lenkt sie nur ab, denn sie alleine taugt auch nicht recht zu Erklärung der Umsätze.

Darüber hinaus ist es ungünstig, dass die Reihenfolge der Farbmarken eine andere ist, als in der Abbildung; das sorgt leicht für Verwirrung. Warum werden eigentlich die Farben hier nicht wiederverwendet? Nicht besonders glücklich ist auch die Wahl der Farbe rot für die erste Zeile. Auch das kann Verwirrung stiften, da rot ja eine der drei Markenfarben ist, hier aber in einem ganz anderen Kontext verwendet wird.

Das Diagramm
Kann man so die Zahl 16% veranschaulichen?

Das Balkendiagramm enthält im Wesentlichen drei Zahlen, wobei sich zwei davon schon aus der Tabelle ergeben. Die prozentuale Veränderung von 16% steht so bereits in der Tabelle (und ist daher redundant) und die absolute Veränderung ließe sich leicht aus der Tabelle ableiten, wenn sie denn wirklich relevant wäre. Im Grunde geht es in dem Diagramm aber nur um zwei Zahlen, nämlich den Vergleich des Wachstums in 2006 und 2007. Braucht man dafür wirklich ein eigenes Diagramm? Für zwei Zahlen? Und was soll eigentlich die Farbgebung symbolisieren? Hängt der rote Farbverlauf mit dem roten Farbverlauf der roten Kernmarke zusammen? Wohl nicht, denn hier handelt es sich um das akkumulierte Ergebnis aller drei Farben, wieder einmal Verwirrungspotential. Da hilft es auch nicht, dass die Verläufe jetzt horizontal anstatt vertikal sind.

Wie geht es besser?

Um es besser zu machen, muss zunächst einmal klar sein, was überhaupt die wesentliche Aussage sein soll. Da ich nicht in den Köpfen der Coca-Cola-West-Manager stecke, kann ich hier natürlich nur vermuten, dass es das Wachstum von 16% ist, insbesondere im Vergleich zum schlechten Ergebnis des Vorjahres. Die anderen Elemente dienen als Erklärung. Man muss also die Aufmerksamkeit auf die Zahl 16% lenken. Ein Diagramm ist hierfür überflüssig. Als Erklärung für die Veränderung kann dann die Aufschlüsselung auf die drei Farben dienen, dazu braucht man aber nicht unbedingt eine extra Tabelle. Da man nicht beliebig viel Information auf einer Folie unterbringen kann, habe ich mich entschieden, die prozentuale Veränderung der Farben und die absolute Veränderung der Gesamtmarke wegzulassen, schließlich gibt es ja noch ein Handout, in dem das ergänzend aufgeführt werden kann. Das Ergebnis könnte vielleicht so aussehen.

Alternativvorschlag für Folie der Coca-Cola-West-Präsentation

Der Betrachter wird visuell klar geführt und erkennt sofort, was die wichtigste Aussage ist und in welcher Folge die Folie zu lesen ist. Wem das zu spartanisch ist, der kann natürlich auch die übrigen Informationen auf seinen Folien unterbringen, aber muss es dann unbedingt auf einer Folie sein?

Alternative 2: Folie 1Alternative 2: Folie 2Alternative 2: Folie 3Alternative 2: Folie 4

Verwandte Artikel:
Eine Cola mit Zitrone, Zitrone des Monats April 2008
Lästern kann jeder

Das Periodensystem der Visualisierungsmethoden

Diagramme zur Visualisierung von Geschäftszahlen in einem Business Report

Als Vortragender steht man häufig vor der Aufgabe, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären, ohne dabei die Zuhörer mit zu vielen Details zu belasten. Die richtigen Visualisierungsmethoden helfen hierbei, denn durch eine grafische Veranschaulichung lassen sich Zusammenhänge oft schneller und übersichtlicher darstellen als durch lange Ausführungen („Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“). Häufig begegnet man z.B. Liniendiagrammen, um Trends wiederzugeben, Organigrammen zur Darstellung einer Unternehmensstruktur oder Flussdiagrammen zur Visualisierung von Prozessabläufen usw.

Leider ist es es aber nicht immer so einfach, die richtige Visualisierung für ein Problem zu finden. Zu vielfältig ist die Zahl der Diagrammtypen und zu speziell sind manche Aufgaben, als dass man jederzeit die passende Kombination auf Anhieb finden würde. Das schweizerische Projekt Visual-Literacy.org hat deshalb das Periodensystem der Virtualisierungsmethoden entwickelt, das ein wenig Orientierung in diesem Dschungel bieten soll.

Visual-Literacy.org ist ein gemeinschaftliches Projekt der Universitäten in Lugano, St. Gallen und Genf sowie der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ziel des Projekts ist es, die “visuelle Bildung” von Studenten zu fördern und ihnen Wissen zu vermitteln, mit dem sie Visualisierungen auswerten, anwenden und entwickeln können. Dazu wurde u.a. folgendes Diagramm entwickelt, das in Anlehnung an das Periodensystem der Elemente aus der Chemie verbreitete Diagrammtypen zusammenfasst und strukturiert:

Periodensystem der Visualisierungsmethoden
Eine Orientierungshilfe in der Vielfalt der Diagrammtypen (Projekt Visual-Literacy.org)

Die Visualisierungsmethoden werden grob in sechs Gruppen unterteilt; innerhalb der Gruppen steigt die Komplexität der Diagramme in vertikaler Richtung. Außerdem kennzeichnen grafische Symbole besondere Eigenschaften der Diagramme. In der Online-Version wird zusätzlich zu jedem Diagrammtyp ein Beispiel angezeigt, wenn man mit der Maus darüber fährt. Allerdings vermisst man weiterführende Informationen, etwa eine genaue Beschreibung der Typen oder Hinweise zum korrekten Gebrauch jedes Diagramms. Ich möchte Sie daher auch gleich davor warnen, das Periodensystem nun abzugrasen und möglichst viele der Diagrammtypen in Ihre nächste Präsentation einzubauen und darf Ihnen drei Warnungen mit auf den Weg geben:

1. Denken Sie an Ihre Zuhörer

Beispiel einer Mindmap

Während eines Vortrags kommt es darauf an, dass die Zuhörer die wesentlichen Informationen schnell erfassen. Anders als beim Lesen eines Artikels haben Zuhörer während einer Präsentation keine Gelegenheit haben, ein Diagramm ausführlich zu analysieren. Daher enthalten komplexe Diagramme wie z.B. Mindmaps (links) oder Treemaps zwar für einen Leser viele wertvolle Informationen, die Zuhörer einer Präsentation sind damit aber in der Regel überfordert.

2. Suchen Sie zielgerichtet

Beispiel einer Datamap

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, die „schönsten“ Diagramme auszuwählen und Ihr Problem so zurecht zu biegen, dass es auf diese Diagramme passt. Überlegen Sie sich stattdessen immer zuerst, welche Frage Sie beantworten möchten und suchen Sie erst dann im Periodensystem nach dem Diagrammtyp, der am besten auf diese Frage passt. So sollten Sie z.B. eine Datamap (links) nur dann verwenden, wenn Sie auch tatsächlich etwas über die geographische Verteilung Ihrer Daten sagen möchten.

3. Vermeiden Sie Chart-Junk

Beispiel eines Heaven’n’Hell-Diagramms

Chart-Junk ist alles das, was in ein Diagramm gepackt wird, ohne etwas zu dessen Informationsgehalt beizutragen. Geprägt wurde der Begriff von Yale-Professor Edward Tufte in seinem Buch The Visual Display of Quantitative Information. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der “Heaven’n’Hell”-Chart aus dem Periodensystem (links). Weder die Anordnung noch das Hintergrundbild tragen wesentlich zum Verständnis bei. Eine einfache Tabelle wäre hier wahrscheinlich hilfreicher gewesen.

Ich möchte Sie aber dennoch ermutigen, einige Zeit mit dem Periodensystem der Visualisierungsmethoden zu verbringen und sich mit den Diagrammen auseinander zu setzen. Vielleicht finden Sie ja gerade für Ihre Fragestellung eine Möglichkeit, wie Sie Ihre Aussage noch überzeugender oder noch verständlicher veranschaulichen können.

Falls Sie dabei Geschmack am Erforschen neuer Diagrammtypen finden, sollten Sie vielleicht auch einmal einen Blick in Robert Harris’ Buch Information Graphics: A Comprehensive Illustrated Reference werfen, der eine wirklich erschöpfende Übersicht über unzählige Visualisierungsmethoden mit vielen Beispielen liefert.

Links zu diesem Thema:
Edward Tufte (Autor einflussreicher Bücher zum Thema)
Junk Charts (engl. Blog)
Vorher-Nachher-Vergleiche von Diagrammen (von Stephen Few)
Graph-Design-IQ-Test (von Stephen Few)
Artikel Slide design: signal vs. noise (redux) (aus dem Blog Presentation Zen)

[vgl. auch Periodensystem der Visualisierungsmethoden]

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Dr. Michael Gerharz

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