Visuelle Reizüberflutung auf der CeBIT

Tim Themann schreibt im Blog Die Computermaler über seine Erfahrung auf der CeBit:

Ein typischer Messebesuch grenzt an visuelle Reizüberflutung; vielleicht bilde ich mir das aufgrund meiner Branchenzugehörigkeit nur ein, aber die CeBIT erscheint mir in dieser Hinsicht als besonders schlimm. Wer allerdings glaubt, das Visuelle würde gezielt im Sinne eines wirksamen Kommunikationsdesigns eingesetzt werden, täuscht sich leider.

[…]

Design und Aufbau des Messestandes werden in der Regel teuer bezahlten Spezialisten überlassen, das Erstellen von (Produkt-)Präsentationen – also einer der wesentlichen Aspekte der Kommunikation auf dem teuer erkauften Messestand – bleibt meist in den Händen von Menschen, die dafür nicht ausgebildet sind.

Das gilt im Prinzip für die gesamte Unternehmenskommunikation. Das Corporate Design wird teuer eingekauft, aber das Gesicht vieler Unternehmen sind die Mitarbeiter und deren Auftreten in Meetings, Präsentationen und sonstigen Kontaktpunkten mit Kunden, Partnern etc. Und die Mitarbeiter sind eben keine Kommunikationsprofis.

Wie der Erfahrungsbericht zeigt, reicht es bei weitem nicht aus, ein schickes Äußeres zu haben. Erklären müssen die Mitarbeiter. Begeistern müssen die Mitarbeiter. Insbesondere für B2B-Unternehmen ist das eine der naheliegendsten Methoden, Vertrauen zu bilden und Emotionen zu wecken.

Psst: Wir helfen übrigens gern.

Let’s Talk: Flach und langweilig? Aktuelle Designtrends

Let’s Talk, die fünfte. Diesmal mit Achim Schaffrinna, Designer und Autor des Design Tagebuch. Wir haben dem Trend „Flat Design“ auf den Zahn gefühlt und uns u.a. gefragt:

  • wie flach die (Design-)Welt noch werden darf,
  • warum Corporate Design keine Chefsache ist,
  • warum ausgerechnet die konformistischste aller Schriftarten gerade eine Rennaissance erlebt,
  • warum die Erfüllung eines Kundenwunsches bei Goolge geschäftsschädigend war,
  • wie ein Supersize-Banner einen Auftritt zerhacken kann und
  • wieviel Orientierung Nutzer im Web (noch) brauchen.
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PresentationLoad

Alexander Christmann, Head of Production von PresentationLoad, war nicht amüsiert über meinen Artikel Schlechte PowerPoint-Vorlagen. In der vergangenen Woche kommentierte er:

[…] Spaß beiseite. Sicherlich gibt es Präsentationen, die schöner, eleganter, einfacher, reduzierter, aussagekräftiger, fokussierter und stylischer sind, als dieses von Ihnen beliebig gewählte Beispiel von www.presentationload.de

Yep. (Übrigens unterscheidet sich dieses von mir beliebig gewählte Beispiel praktisch nur in den Fotos und der Farbpalette von den anderen Vorlagen.)

Wer jedoch diese Vorlagen stellvertretend für alle anderen Vorlagen bei www.presentationload.de per se als schlecht aburteilt, der hat schlichtweg den Sinn von PowerPoint Vorlagen nicht verstanden.

Ich dachte, der Sinn von PowerPoint-Vorlagen sei es, dass der Vortragende möglichst einfach überzeugende Präsentationen gestalterisch umsetzen kann. Die Frage ist doch: tun das die PresentationLoad-Vorlagen?

Wenn wir von guten PowerPoint Präsentationen sprechen, dann sprechen wir auch von zwei Welten. […] Die andere Welt hingegen skizziert sich in einem Abstraktum, nämlich in der Idee, den unterschiedlichsten, individuellen Ansprüchen und Anforderungen gerecht zu werden. […] Und genau hier ist Ihr Denkfehler. Diese Vorlagen verstehen sich nicht als Dogma für die perfekte Präsentationsgestaltung, sondern eher als Toolboxen, die möglichst viele Szenarien abdecken und möglichst vielen Kundenanforderungen gerecht werden sollen.

Das habe ich schon verstanden. Die Vorlagen werden aber nicht dadurch besser, dass sie everybody’s darling sein wollen. Denn das ändert ja nichts daran, dass sie zu text- und kopflastigen, also ineffektiven Präsentationen einladen – und zwar in der gleichen Weise, wie die Standard-PowerPoint-Vorlagen dazu einladen, Bullets Points einzutippen.

Und welchen Anforderungen werden denn diese Folien überhaupt gerecht? Prägnant? Na ja. Einprägsam? Eher nicht, denn dafür sind sie zu klischeehaft. Emotional? Mit Sicherheit nicht. Roter Faden? Den muss man schon selber haben. Schick? Vielleicht. Die Frage ist ja, ob bei den „möglichst vielen Szenarien“ für den Kunden die richtigen dabei sind.

Aber Christmann spielt den Ball ohnehin weiter:

Keiner in unserem Hause erwartet, dass diese vorformatierten Platzhalter und vorkonzipierten Grafiken in vollem Umfange mit konkreten Informationen befüllt werden.

Das klingt für mich zu einfach, nämlich übersetzt etwa so: Wenn am Ende die Präsentation nichts taugt, ist’s im Zweifel der Nutzer schuld. Er hätte ja die Platzhalter nicht nutzen müssen.

Der Punkt ist: Die Vorlage lädt dazu ein, die Platzhalter zu benutzen (wofür wären sie sonst da). Das bedeutet: weil die Vorlage textüberladen ist, gilt das wahrscheinlich auch für die fertige Präsentation.

Wir brauchen weder schick dekorierte Textwüsten noch Vorlagen, die der Nutzer erst von Platzhaltern befreien muss, damit sie erträglich werden. Wir brauchen Vorlagen, die dazu einladen, auf den Punkt zu kommen, statt umständlich drum herum zu schreiben; und Vorlagen, die dazu einladen, aus einer Präsentation eine spannende Story zu machen.

Wie erschafft man eine Unternehmensidentität?

1969 wurde Saul Bass, Schöpfer zahlreicher stilprägender Logos und Filmvorspänne, von AT&T beauftragt, eine neue visuelle Identität für den amerikanischen Telefon-Monopolisten zu entwerfen. Das damals radikale Ergebnis erläuterte Bass den AT&T-Managern in diesem faszinierenden Video (27 Minuten):

In einer Zeit, in der Videos nicht auf YouTube-konforme 5 Minuten beschränkt waren, nimmt sich Bass die Zeit:

  1. ausführlich zu erklären, was eigentlich eine visuelle Identität leisten soll.
  2. dass die damalige Identität von AT&T nicht mehr zeitgemäß war.
  3. wie eigentlich ein Logo funktioniert.
  4. ausführlich seine Lösung für AT&T zu erläutern.

Besonders achten sollten Sie darauf, wie Bass nie irgendetwas einfach nur behauptet. Immer lässt er seine Zuschauer regelrecht spüren, was er meint.

Er nimmt sein Publikum emotional mit in die Zeit der Rezession, in die Zeit des Aufbruchs und in die moderne Zeit.

Saul Bass zeigt Bilder aus der amerikanischen Rezession.

Saul Bass zeigt die „modernen Zeiten“.

Er zeigt, was es beudetet, in einer Welt der visuellen Überflutung hervorzustechen.

Saul Bass zeigt die visuelle Reizüberflutung des Alltags.

Er zeigt, wie viele Varianten er durchdacht hat, bevor er zu seinem Ergebnis gekommen ist.

Saul Bass demonstriert den Aufwand, den sein Studio für die Entwicklung betrieben hat.

All’ das ist „Show, don’t tell“. Alles, was das Publikum selbst erkennen kann, muss man ihm nicht erklären. Denn, was es selbst erkennt, dazu bekommt es einen emotionaleren Bezug. Und Emotionen sind die Basis, auf der Argumente erst wirken.

Kleine Randnotiz: In diesem kurzen Video erläutert Saul Bass sein Verständnis des Designberufs.

I want everything I do to be beautiful. I don’t give a damn whether the client understands that that’s worth anything or whether the client thinks it’s worth anything or whether it is worth anything. It’s worth it to me. It’s the way I wanna live my life. I want to make beautiful things even if nobody cares.

(via Brand New)

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Spaß beim Malen

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Student Folien für meine Vorträge vorbereitet habe. Ewig frickelte ich an einer Folie, probierte Schriften aus, suchte stundenlang die richtige Farbe, änderte immer wieder das Layout … und war am Ende doch nie 100% zufrieden.

Ein häufiges Problem

So geht es vielen; zumindest höre ich ganz ähnliche Geschichten oft in meinen Workshops. Wie damals bei mir liegt es auch hier meist daran, dass das Designer-Know-How fehlt. Klar, man landet immer mal wieder Zufallstreffer, sitzt aber dafür bei anderen Folien stundenlang über unbefriedigenden Ergebnissen.

Wie einfach wäre es, wenn all’ die Entscheidungen über Schriften, Farben, Layout usw. schon vorab klar wären?

Was kann man dagegen tun?

Aufgeklappter FarbfächerGenau das ist einer der Vorteile von (gut gemachten) Corporate Designs. Man macht sich einmal grundsätzlich Gedanken über die richtigen Design-Entscheidungen und kann sich fortan auf den Inhalt konzentrieren. Wenn das Corporate Design von professionellen Designern entwickelt wurde, sollte dabei das Ergebnis auch noch hochwertiger aussehen, als wenn man sich als Nicht-Designer stundenlang mit Bauchgefühl-Design-Entscheidungen herumplagt.

Aber, werden Sie vielleicht jetzt Fragen, schimpfe ich nicht oft genug über Corporate Designs. Ja tue ich, aber meist über schlecht gemachte PowerPoint-Templates, die aus dem Corporate Design abgeleitet sind. Davon gibt es in der Tat zu viele schlechte Beispiele – und als solche sind sie der Feind guter Präsentationen.

Denk’ nicht mehr als nötig

Das betrifft jedoch nicht die Tatsache, dass allgemeine Design-Entscheidungen in Form eines Corporate-Designs grundsätzlich sinnvoll sind, denn sie beschleunigen die Gestaltung. Welche Schrift? Die Hausschrift. Welche Farbe? Die Hausfarbe. Hervorhebungen? In der Kontrastfarbe usw. Und in diesem Sinn ist ein Corporate Design Ihr Freund.

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Schlechte PowerPoint-Vorlagen

Warum taugen die meisten PowerPoint-Templates eigentlich nichts, obwohl sie doch von professionellen Designern entworfen werfen? Diese Frage stellte vor kurzem Jan Schultink in seinem IdeaTransplant-Blog. Seine Theorie: Die Designer beginnen an der falschen Stelle, nämlich auf einer leeren Folie, die sie dann mit Dekoration füllen. 

Ich habe mal wahllos auf einer bekannten deutschen Plattform für PowerPoint-Templates irgendein „TOP-Business-Template“ geöffnet:

Eines von unzähligen schlechten PowerPoint-Templates

Wenn ich mir das so ansehe, dann gehen die Probleme sicher noch weit über Schultinks Vermutung hinaus. Denn offenbar fehlt es hier an einem fundamentalen Verständnis für die Anforderungen einer publikumsgerechten Präsentation. Die Vorlagen laden geradezu dazu ein, Textfluten auf die Folien zu schleudern. Platz für Freiflächen, die wichtigen Inhalten erst die richtige Wirkung geben, sucht man vergebens. Statt spannender Stories, in die sich das Publikum hineinversetzen kann, sollen hier Fakten abgehakt werden: der Stoff aus dem langweilige Präsentationen sind.

Schultinks Rat an Unternehmen: Gebt den Designern bestehende Präsentationen, damit sie diese inszenieren können und daraus ein funktionierendes Design ableiten können. Wenn ich mir Vorlagen wie die obigen ansehe, zweifle ich, ob das alleine das Problem schon lösen würde.

Da die meisten Präsentationen eben schon vorher so aussehen wie diese, würde ein hübsches Design wahrscheinlich doch nur zu Variationen des obigen Templates führen. Wichtig wäre vielmehr, dass schon die Vorlagen dazu einladen, publikumsgerechte, leicht zu erfassende Folien zu erstellen.

Dazu gehört mehr, als Text durch ein paar Logos und schicke Farben zu dekorieren. Dazu braucht man ein tiefes Verständnis dafür, wie spannende Präsentationen auf das Publikum wirken. Und hier können auch viele Design-Studios noch eine Menge lernen.

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Corporate Design

Indiana PowerPoint

Dies ist ein Ausschnitt aus einem Indiana-Jones-Film:

Szene aus einem Indiana-Jones-Film

Der Archäologe muss in seinen Filmen allerlei actionreiche Abenteuer überwinden, um die bösen Mächte daran zu hindern, mithilfe mystischer archäologischer Funde die Weltherrschaft an sich zu reißen. Action und Spannung ist dabei meist von der ersten bis zur letzten Minute garantiert.

Wie sähe wohl ein Indiana-Jones-Film als PowerPoint-Präsentation aus?

Na klar: Erst einmal Firmen-Logo, Autor und Datum auf die Folien schreiben, damit das auch niemand während des Vortrags vergisst:

Indiana-Jones-Szene mit Statuszeile

Natürlich muss die Folie an das Corporate-Design angepasst werden. Schließlich hat es viel Geld gekostet und die zahlreichen Deko-Elemente sorgen für hohen Wiedererkennungswert, damit der Vortrag auch in Erinnerung bleibt.

Indiana-Jones-Szene mit Corporate Design

Damit die Kernpunkte der Szene sich beim Publikum einprägen, müssen sie auf der Folie stehen. Selbstverständlich werden die wichtigsten Schlagworte hervorgehoben, damit das Publikum diese auch auf Anhieb erkennt. So wird alles viel verständlicher, die Folie kann unverändert als Handout verwendet werden und man vergisst beim Vortrag nichts Wichtiges:

Indiana-Jones-Szene mit viel Text

Ach ja, besser noch die Fotos durch Cliparts ersetzen, damit’s ein bisschen lustiger aussieht:

Indiana-Jones-Szene mit Cliparts

Und Sie sagen mir jetzt nicht, dass der Vortrag so langweilig hätte sein müssen. Und doch ist es leider immer noch die Regel: Viel zu viel Text, unkonkret, keine klare Aussage, und Spannung? Fehlanzeige! Am Thema liegt’s hier sicher nicht.

Denken Sie daran, wenn Sie sich das nächste Mal verteidigen, Ihr Thema sei nun mal nicht spannend.

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Schwerpunkt Vorher-Nachher: Die Spannung steigern

 

Von Buchtiteln lernen

Ich kenne kaum PowerPoint-Unternehmensvorlagen, die brauchbar wären; und das liegt vor allem daran, dass sich die meisten Vorlagen selbst zu wichtig nehmen. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, mache ich immer wieder diese Beobachtungen:

  • Formalismus steht zu oft über Funktionalität, z.B. „jede Folie braucht eine Überschrift“
  • die Vorlage ist voll mit Verzierungselementen, die keinerlei Funktion haben, und vom eigentlichen Inhalt ablenken
  • zu viele überflüssige Informationen, z.B. Datum, Ort, Dateiname, Abteilung usw.
  • und noch einiges mehr

Auf der anderen Seite haben Unternehmensvorlagen unbestreitbare Vorteile: einen hohen Wiedererkennungswert, eine visuelle Sprache, die (im Idealfall) mit den Werten und den Eigenschaften eines Unternehmens übereinstimmt und nicht zuletzt eine deutliche Erleichterung beim Erstellen von Präsentationen, weil sich nicht jeder Vortragende wieder aufs Neue selbst Gedanken über grundlegende Designentscheidungen wie Schrift oder Farben machen muss. Nur haben die meisten Vorlagen eben erhebliche Mängel (einige gute Beispiele finden Sie aber z.B. in Nancy Duartes hervorragendem Buch slide:ology).

Beispiele von Suhrkamp-Taschenbüchern

Als ich am Wochenende ein neues Buch aus dem Suhrkamp-Verlag aufschlug, fiel mir eine Werbebroschüre für die Taschenbuchreihe des Verlags in die Hände. Das Design dieser Reihe eignet sich ganz hervorragend, um etwas über Corporate Design, auch für Präsentationen, zu lernen. Der Suhrkamp-Verlag ist ein Pionier in der Gestaltung seiner Buchreihen und hat schon vor Jahrzehnten prägnante Profile für seine Buchreihen eingeführt (sehr bekannt sind z.B. die Regenbogenfarben der edition suhrkamp). Vor fünf Jahren hat der Verlag das Design seiner Taschenbuchreihe vollständig renoviert. Einige Bücher in dem Design sind rechts abgebildet.

Prinzipieller Aufbau eines Suhrkamp-Taschenbuch-Covers

Das Corporate-Design ist flexibel und sofort erkennbar zugleich. Es erlaubt eine gesunde Mischung aus Regeln und Freiheit, die dafür sorgt, dass der Inhalt im Vordergrund steht, die Zugehörigkeit zum Ganzen aber stets gewahrt bleibt. Die Regeln lauten in etwa so: viergeteiltes Cover, schmaler Streifen rechts, Logo im unteren Teil des Streifens an der Grenze zum oberen Teil, Schrift oben, Bild unten. Innerhalb dieser Regeln ergibt sich eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten, die ich im Folgenden nutzen möchte, um ein paar Anregungen und Tipps für die Gestaltung von Präsentationen zu geben.

1. Layout

Größenvariation der Bildmotive auf den Suhrkamp Taschenbüchern

Die Höhe des Bildbereichs ist variabel und legt die Aufteilung der vier Flächen fest. Dadurch kann das Motiv optimal auf den Buchtitel abgestimmt werden. Sehr plakativ gelingt das etwa bei dem Titel „Oben ist es still“, auf dem die Stille in der Luft förmlich sichtbar wird. Die übrigen festen Regeln geben den Büchern jedoch bei aller Freiheit eine übergreifende Zusammengehörigkeit.

Dominant ist in dem Design übrigens nicht das Logo des Verlags, sondern das Foto. An zweiter Stelle steht der Titel, erst danach das Logo. Erkennbar wird das Design also nicht dadurch, dass das Suhrkamp-Logo an prominenter Stelle prangt, sondern durch eine einheitliche Formensprache und der konsistenten Anordnung von Autor und Titel. Corporate Design ist eben mehr als nur ein Logo.

2. Farbe

Farbvariation auf Suhrkamp-Taschenbüchern

Die Farben der Suhrkamp-Taschenbücher sind weitgehend frei wählbar. Das erlaubt große Freiheiten in der emotionalen Ansprache, ein giftiges rot etwa für „Das böse Mädchen“, Blau- und Grautöne für Kälte usw. Wirkungsvoll ist hier gelegentlich, Farben aus den Fotomotiven im Umschlag aufzugreifen, eine Technik, die ich vor Kurzem an dieser Stelle erläutert habe.

Die farbliche Gestaltung nutzt Suhrkamp auch, um zusammenhängende Ausgaben zu gruppieren. So sind z.B. die Werke von Max Frisch (weitgehend) in blau gehalten, die von Thomas Bernhard in grün usw. In einer Präsentationsvorlage könnte man einen ähnlichen Effekt nutzen, um unterschiedliche Kapitel einer Präsentation visuell zu trennen oder unterschiedliche Farben unterschiedlichen Abteilungen zuzuordnen… Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Zusammengehörigkeit durch ähnliche Farbgebung

3. Motiv

Die Bildelemente auf den Suhrkamp-Taschenbüchern sind normalerweise Fotos, (fast) nie Zeichnungen oder Collagen. Die Art der Fotos ist jedoch sehr unterschiedlich und ganz auf den Buchtitel abgestimmt. So finden sich Archivaufnahmen auf biographischen Werken, abstrakte Assoziationen des Titels wie bei „Ehrensache“, Verbildlichungen des Titels wie bei „Muschelstrand“, Fotos aus Verfilmungen („Das Leben der anderen“) oder Fotos der Autoren (z.B. von Thomas Bernhard). Immer haben die Fotos dabei den Sinn einer emotionalen Ansprache.

Unterschiedliche Bildmotive der Suhrkamp-Taschenbücher

4. Form

In einem starken Regelwerk kann man eine große Wirkung erzielen, wenn man die Regeln gelegentlich bewußt – aber äußerst sparsam – bricht. Suhrkamp tut dies zum Beispiel, indem gelegentlich einige Bildelemente über den Bildbereich hinausragen (z.B. auf „Der Schatten des Windes“). Dadurch erhalten die Titel eine räumlichere Wirkung. Hierbei hilft eine der wichtigsten Fähigkeiten eines Designers: Formen zu erkennen und geschickt zu nutzen. Ein gutes Beispiel dafür ist auch die Felskante des Titels „Menschenflug“. Diese ersetzt die Trennlinie zwischen Foto- und Titelbereich. Das Cover hebt sich dadurch von den anderen Büchern ab, ist aber dennoch als Teil der Suhrkamp-Reihe deutlich zu erkennen.

Für Präsentationen gilt ähnliches: Wer bewusst, dabei aber immer begründet, die Regeln (seiner Vorlage) übertritt, kann auf diese Weise eine große Wirkung erzielen. Wer andererseits unter diesem Argument glaubt, sich an gar keine Regeln halten zu müssen, der riskiert, dass seine Präsentation als ein lose zusammengewürfelter Haufen von Folien daherkommt – anstatt als sorgfältig entwickelte und zusammengehörige Story zu wirken.

Ausnahmen in der Umschlaggestaltung, Ausnutzung der Bildformen

5. Andere Verlage

Inspirationen gibt es überall. Und auch wenn Suhrkamp ein Vorreiter in der Gestaltung ganzer Buchreihen war, gehen andere Verlage nicht weniger geschickt vor. Noch prägnanter – weil noch konsequenter – sind sicher die Taschenbücher des Diogenes-Verlags. Nehmen Sie sich doch beim nächsten Besuch einer Buchhandlung einmal ein bisschen Zeit mit und schauen sich um, wie die Verlage Ihre Buchreihen visuell zusammenstellen. Achten Sie dabei auch darauf, wie sich die verschiedenen Genres deutlich in Ihrer visuellen Sprache unterscheiden, etwa Science-Fiction, Fantasy, Liebesromane, historische Romane, Krimis etc.

Inspirationen finden Sie natürlich auch in etlichen anderen Bereichen. Achten Sie doch einmal darauf, wie in Zeitschriften mit Formen, Farben, Schriften und Bildmotiven gearbeitet wird, um ein einheitliches und gleichzeitig flexibles Erscheinungsbild herzustellen. Oder gehen Sie einmal mit offenen Augen durch den Supermarkt und lassen den Auftritt großer Marken wie Maggi, Knorr, Kellogg’s etc. auf sich wirken. Nicht alles davon ist auf Ihre nächsten Präsentationen übertragbar, aber vielleicht mehr, als Sie bis jetzt dachten.

Links zu dem Artikel
The Book Design Review, Blog über das Design von Büchern, besonders interessant: Favorite Book Covers of 2008
Begutachtung von Corporate Designs im jüngst mit dem Grimme-Online-Award augezeichneten Design Tagebuch
Älterer Artikel über Corporate Design in meinem Blog 

Wie man passende Farben findet

Beispiel für schlechte Farbwahl

Farben können einen erheblichen Einfluss auf die Wirkung einer Präsentation haben. Gut gewählte Farben unterstützen optimal Ihre Aussage, weil sie die passende Stimmung erzeugen; sinnvolle Kontraste heben wichtige Punkte so hervor, dass sie unmittelbar erkennbar und einsichtig sind. Umgekehrt führt eine unglückliche Farbwahl wie im rechten Beispiel dazu, dass das Publikum am liebsten schreiend den Saal verlassen würde. Das liegt oft daran, dass Folien zu bunt, zu wenig Kontrast oder schlicht mit völlig unpassenden Farben gestaltet sind.

Aus einem Foto einer Glühbirne Farben extrahieren

Eine hervorragende Quelle für aufeinander abgestimmte Farben, die (natürlicherweise) gut zu Ihrem Thema passen, sind die Fotos, die Sie für Ihren Vortrag herausgesucht haben. Wenn Sie die Bilder sorgfältig ausgewählt haben, so dass sie genau das ausdrücken, was Sie mit Ihrem Vortrag herüberbringen möchten, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Farbgebung des Bildes dies auch bereits tut.

Schwarz-Gelb aus dem obigen Bild ist z.B. eine ungeheue kraftvolle Farbkombination mit einem starken Kontrast. Sie eignet sich hervorragend, um Ihren Ideen „Leuchtkraft“ zu geben, etwa so:

Titelfolie Beispielfolie

Aus dem Bild einer Bühnenlandschaft Farben extrahieren

Natürlich eignen sich solch kraftvolle Farben nicht für jeden Vortrag. Für einen eher melancholisch angehauchten Naturvortrag wie den folgenden sind diese starken Kontraste sicher ungeeignet. Aber selbstverständlich würden Sie für dieses Thema auch keine Glühbirne als Bild auswählen, sondern vielleicht den nebenstehenden Steg. Hieraus ergeben sich dezente Farben in Pastelltönen, die viel besser zu dem Thema passen. Das Bild liefert eine sinnvolle Farbwahl mit weichen Blautönen und einem schön harmonierenden Braunton. Ergänzt mit einer passenden Schrift (Fresco Semi Bold), ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild.

Beispielholie Beispielfolie zur Pastellfarbgebung mit Zitat

Farben aus einem Sepia-Bild extrahieren

Wer viel Wert auf eine seriöse Wirkung legt, der wird häufig bei einem sog. monochromatischen Farbschema fündig, also einem Farbschema, das nur aus einem Farbton in unterschiedlichen Abstufungen besteht, so wie in dem Sepia-Bild rechts. Die Farben liefern einen sehr dezenten Charakter, der alles Schrille vermeidet und der symbolisiert, dass der Vortragende ein möglicherweise sensibles Thema mit dem gebührenden Respekt behandelt. Die Farben stellen sich hier nicht in den Vordergrund, sondern treten deutlich hinter dem Inhalt zurück.

Beispielfolie Beispielfolie in Sepia-Tönen mit einer Statistik

Wie die Beispiele zeigen, können sinnvolle Farbschemata ganz unterschiedlich ausgeprägt sein: kontrastreich oder kontrastarm, schillernd oder dezent, bunt oder weniger bunt, umfangreich oder minimalistisch. Was für das eine Thema funktioniert, würde bei einem anderen Thema völlig falsche Assoziationen erzeugen. Mit ein wenig Übung lassen sich aus den richtigen Bildern aber sinnvolle Farbschemata für den eigenen Vortrag erzeugen.

Die Werkzeuge dafür liefern einige Präsenationsprogramme bereits mit, etwa Apple Keynote oder OpenOffice Impress. Für PowerPoint gibt es einige (meist kostenlose) Plugins, die diese Funktionalität nachliefern, z.B. ColorCop oder Pixie (die ich aber beide nicht getestet habe).

Logo der Online-Farbcommunity
Screenshot des Farbkatalogs von kuler

Wer es noch nicht kennt, der sollte unbedingt auch einmal einen Blick auf den Online-Dienst kuler von Adobe werfen. Hier finden Sie eine schier unerschöpfliche Fundgrube von vorgefertigten Farbschemata zu allen möglichen Themen. Das Verzeichnis ist ausführlich verschlagwortet, so dass man bequem nach Schlagwörtern suchen kann, um eine Liste passender Farbschemata zu erhalten.

Farbgestaltung in kuler
Farbgestaltung in kuler anhand eigener Fotos

Richtig interessant wird kuler aber durch die Möglichkeit, Farbschemata zu verändern und eigene anzulegen. Dies ist möglich anhand vorgefertigter „formaler“ Kriterien (wie z.B. monochromatisch, komplementär etc.) oder auf Basis eigener hochgeladener Fotos. Eine Anleitung für erste Schritte finden Sie hier

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Dr. Michael Gerharz

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