Das macht man so! Aber wer ist „man“?

„Nein, du musst das nicht so machen.“

Und dann sieht man jedesmal förmlich, wie die Fesseln aufspringen und in alle Richtungen wegfliegen. Endlich frei! Frei, so zu sprechen, wie es zu ihr passt. So zu sprechen, dass man ihr ihre Leidenschaft ansieht. Dass man spürt, warum ihm das Thema so wichtig ist. Dass man versteht, wieviel Sorgfalt er in die Entwicklung gesteckt hat.

Immer wieder erlebe ich diese gedanklichen Fesseln, die irgendjemand angelegt hat. „Du musst so auf die Bühne gehen!“, „Du brauchst immer Zahlen, Daten, Fakten aus Studien!“, „Du musst diese und jene Struktur nutzen!“, „Du musst mit deinem Why beginnen!“, „Du musst Überschriften auf die Folien schreiben!“, „Du musst, du musst, du musst …“.

Gar nichts musst du. Die Menschen lieben dich, weil du du bist. Und nicht die verkrampft geschliffene Schablone sämtlicher Das-macht-man-so-s dieser Welt. Was für den einen funktioniert, funktioniert für die andere noch lange nicht. Zu unterschiedlich sind die Personen, zu verschieden die Themen, zu anders die Zuhörer.

Regeln zu kennen, ist immer hilfreich. Zu wissen, wie sie wirken auch. Aber herauszufinden, was zu mir passt, und es so umzusetzen, wie es zu mir passt, ist viel wertvoller als jedes Das-macht-man-so.

Körpersprache

Nehmen Sie eine beliebige deutsche Vorabendserie. Die Schauspieler, die darin spielen, haben Schauspiel wahrscheinlich studiert … und sind trotzdem so schlecht, dass Sie ihnen die Rolle nicht abnehmen. Sie sollten nicht erwarten, dass Sie Ihr Publikum nach ein paar Tagen Körpersprache-Seminar narren könnten.

Nur weil Sie Ihre Arme während der Begrüßung ausbreiten oder akribisch darauf achten, die Hände nicht in die Tasche zu stecken, werden Sie niemanden von Ihrem Thema überzeugen. Denn dass Sie zugleich Ihre Beine verschränkt hatten oder gleich nach dem Begrüßungssatz Ihren Hals gestreichelt haben, hatten Sie sich nicht abtrainiert.

Tatsächlich sind Menschen ziemlich gut darin zu erkennen, wenn etwas „nicht stimmt“, wenn etwas „aufgesetzt“ wirkt oder wenn die da vorne sich so verhält, als sei sie gerade von einem Körpersprache-Seminar zurückgekommen. Auch wenn wir es meist nicht benennen können … dass etwas nicht stimmt, das spüren wir.

Körpersprache lässt sich nur schwer manipulieren

Unseren Körper so zu manipulieren, dass er authentisch einen anderen Eindruck vermittelt, als den, der unsere Gefühlslage im Augenblick widerspiegelt, ist ziemlich schwer. Schon alleine weil die schiere Zahl von Signalen, die wir gleichzeitig aussenden, immens groß ist. Wir sind ziemlich schlecht darin, diese große Zahl von Signalen bewusst zu steuern – während wir uns gleichzeitig noch auf unseren Vortrag konzentrieren sollen. Wahrscheinlich kann es niemand wirklich gut, denn selbst die besten Schauspieler arbeiten auf ganz andere Weisen, z.B. indem sie sich in eine zu ihrer Rolle passende emotionale Haltung bringen.

Umgekehrt gilt nämlich, dass unser Körper normalerweise automatisch das tun will, was unsere Gefühlslage widerspiegelt. Wenn wir uns unsicher fühlen, dann gehen wir lieber in Deckung, also z.B. hinter ein Pult. Sobald wir uns sicher fühlen, treten wir hervor. Wenn wir daran glauben, jemandem wirklich helfen zu können, dann blicken wir ihm in die Augen. Wenn wir glauben, dass genau dieser Vorschlag der Weg nach vorne ist, dann zeigt unsere Hand ganz automatisch nach vorne.

Wenn wir sie lassen.

Das ist das Entscheidende: Das Richtige zu sagen und dabei den Körper das Richtige tun zu lassen. Sobald eines davon fehlt, passt es nicht mehr:

  • Wenn wir etwas sagen, woran wir nicht glauben, dann ist es verdammt schwer, das mit antrainierter Körpersprache zu überspielen.
  • Wenn wir sagen, woran wir glauben, aber unserem Körper nicht vertrauen, z.B. weil wir dem Körpersprache-YouTuber oder den „Das-macht-man-so-nicht“-Sagern mehr glauben als uns selbst, dann stimmt auch etwas nicht.

Das Richtige sagen und dabei den Körper das Richtige tun lassen

Wenn aber beides zusammen kommt – wenn wir eine Botschaft haben, an die wir selbst glauben und hinter der wir stehen; wenn wir sie so sagen, dass es zu uns passt und wir voll dahinterstehen; und wenn wir dann unseren Körper darin unterstützen, das Richtige zu tun – dann wird es ein richtig guter Auftritt.

Deswegen glaube ich, dass es immer sinnvoll ist, zuerst an der Haltung zum eigenen Thema und an der Story zu arbeiten, bevor Sie Ihre Körpersprache optimieren.

Habe ich wirklich ein Produkt, hinter dem ich voll und ganz stehe?

Hilft dieser Vorschlag meinen Zuhörern weiter? Weiß ich genau, wer da sitzt und was sie brauchen, damit ich ganz sicher bin, dass meine Idee genau die richtige für dieses Publikum ist?

Glaube ich an die Story? Oder lasse ich mir von meinen Folien, die ich selbst nicht ’mal mag, Fesseln anlegen und mich von ihnen in ein Bulletpoint-Korsett zwängen?

Was will ich eigentlich sagen? Wie passt es zu meinem Publikum? Wie steige ich in meinen Vortrag ein? Welche Anekdoten, Beispiele oder Vergleiche helfen meinem Publikum? Habe ich einen zwingenden roten Faden?

Helfen Sie Ihrem Körper, das Richtige zu tun

Wenn all das passt, wenn ich also selbst davon überzeugt bin, dass ich das Richtige sage, dann kann mein Körper auch das Richtige tun.

Und genau jetzt lohnt es sich ihn darin zu unterstützen. Zu beobachten, was er tun möchte. Schlechte Angewohnheiten, die ich mir bei anderen abgeschaut habe, abzulegen. Positives zu stärken. Meine Persönlichkeit durchscheinen zu lassen.

Zwingen Sie Ihren Körper gerade nicht, das Falsche zu tun, indem Sie Gesten verwenden, die Sie irgendwo gesehen haben, die Ihnen selbst aber unnatürlich vorkommen. Zwingen Sie ihn nicht, das zu tun, was er gar nicht tun möchte. Sorgen Sie lieber zuerst dafür, dass Sie eine Story haben, an die Sie glauben, gewinnen Sie Vertrauen in die Art, wie Sie sie erzählen, und helfen Sie Ihrem Körper dann, dieses Selbstbewusstsein auch zu zeigen! In dieser Reihenfolge.

Schwerpunkt-Thema „Souverän Auftreten“.

Wie wird man souverän beim Vortragen?

Wie wird man souverän beim Vortragen? Indem man vorträgt. Immer wieder.

Mitreißende Präsentationen hält derjenige, der es oft tut und der versucht, jedes Mal ein bisschen besser zu werden. Top-Speaker sind deswegen so gut, weil sie den gleichen Vortrag hunderte Male halten. Sie kennen ihren Vortrag in und auswendig und sie haben die meisten Situationen bereits ähnlich erlebt. Deswegen können sie so souverän auf unvorhergesehenes reagieren und so spontan auf Kommentare aus dem Publikum antworten.

Präsentieren gehört zu den Fähigkeiten, die man nicht alleine mit einem Lehrbuch lernen kann. Man muss vor Menschen treten und präsentieren. Wenn man das oft genug tut, passiert u.a. folgendes:

Sie werden souveräner, denn Sie bekommen mit jedem Vortrag mehr Routine, werden gelassener, wissen, was kommt. Sie finden die Stellen, die noch nicht rund sind und verändern sie solange, bis sie passen. Sie lernen, wie Sie auf Fragen reagieren, deren Antwort Sie noch nicht kennen, nehmen Besserwissern schlagfertig den Wind aus den Segeln und finden den roten Faden schnell wieder, wenn sie ihn doch einmal aus den Augen verlieren sollten.

Sie werden spontaner, denn je öfter Sie etwas tun, desto mehr Situationen erleben Sie. Eine unerwartete Frage bringt Sie nicht aus der Ruhe. Die Anekdote, die Sie in der Kaffeepause vor Ihrem Vortrag bei Small Talk aufgeschnappt haben, fügen Sie mühelos in Ihre Story ein.

Und Sie werden authentischer, denn Sie zeigen sich von Ihrer „echten“ Seite, nicht der angestrengten Hoffentlich-mach-ich-nichts-falsch-Seite.

Kurz: Sie zeigen sich von Ihrer besten Seite, weil Sie sich wohl fühlen.

Nutzen Sie jede Gelegenheit, zu präsentieren und laut zu üben. Und holen Sie sich ehrliches Feedback von Menschen, denen Sie vertrauen.

Begeisterung

Wie begeistert Ihre Zuhörer nach Ihrem Vortrag sind, hängt im Wesentlichen von einer Sache ab: Wie begeistert Sie selbst sind.

Niemand in Ihrem Publikum ist auch nur annähernd so begeistert von Ihrem Thema wie Sie selbst. Wie auch: Die anderen kennen ja noch nicht die ganze Geschichte.

Aber wenn sie sie kennen … und wenn sie erkennen, wie sehr Sie selbst daran glauben, dann kann der Funke überspringen.

Begeisterung ist jedoch nicht dasselbe wie Chaka-Blingbling-Alle-auf-von-den-Sitzen. Begeisterung kann sich auf ganz unterschiedliche Weisen zum Ausdruck bringen: leise, laut, schnell, langsam, übersprudelnd oder in sich gekehrt …

Doch wie auch immer sich Ihre Begeisterung zeigt, am Ende bestimmen Sie, wie begeistert die anderen sein werden.

12 Fragen: 8. Glaub’ ich selbst dran?

Machen Sie sich nichts vor. Sie sind nicht Robert de Niro oder Jodie Foster. Man merkt es Ihnen an, wenn Sie es nicht ehrlich meinen; wenn Sie Ihren Zahlen selbst nicht glauben oder Ihre Folien für Marketing-Bullshit halten. Erst, wenn Sie selbst daran glauben, können Sie andere überzeugen.

Eine schwierige Entscheidung

Was macht eine schwierige Entscheidung zu einer schwierigen Entscheidung? Die Philosophin Ruth Chang erklärt es in diesem faszinierenden Vortrag:

Schwierige Entscheidungen sind nicht schwierig, weil wir zu dumm sind oder zu wenig über die Alternativen wissen. Sie sind schwierig, weil es unter den möglichen Alternativen keine gibt, die insgesamt besser ist als die anderen. Selbst wenn wir alles über die beiden Alternativen wüssten, wäre die Entscheidung nicht einfacher.

Schwierige Entscheidungen sind schwierig, weil sie sich den Kategorien „schlechter“, „gleich gut“ oder „besser“ verschließen. Stattdessen spielen Werte eine Rolle – wie z.B. bei der Entscheidung, ob ich Künstler oder Banker werden möchte. Das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere. Beides hat Vorteile, beides Nachteile, doch sind diese Vor- und Nachteile nicht direkt vergleichbar. „Mehr Freiheit“ ist nicht 3% besser als „größere Karrierechancen“.

Durch schwierige Entscheidungen gestalten wir, wer wir sind

Schwierige Entscheidungen sind letztlich deswegen schwierig, weil nicht äußere Faktoren die Entscheidung diktieren, sondern weil ich mir über das Wertesystem und seine Gewichtung selbst klar werden muss.

Und das empfindet Ruth Chang als Segen. Denn gerade diese schwierigen Entscheidungen ermöglichen mir, mich selbst zu definieren. Wenn ich mich bewusst dafür entscheide, Banker zu werden, sagt das etwas über mich aus: „So bin ich. So will ich sein. So will ich gesehen werden.“

Die Menschen, die in solchen Situationen nicht entscheiden, z.B. indem sie andere oder die Zeit für sich entscheiden lassen, nennt Chang „Drifter“. Auch dann sagt der eingeschlagene Weg etwas über mich aus. Wenn ich jedoch die Entscheidung bewusst treffe, dann gestalte ich das Bild über mich selbst, dann werde ich gewissermaßen zum Autor meines Lebens.

Auch durch die Art, wie wir präsentieren, gestalten wir, wer wir sind

Schwierige Entscheidungen müssen nicht gleich den ganzen Lebensweg in Frage stellen. Es gibt sie in allen Größenordnungen. Auch beim Präsentieren.

Werfe ich BulletPoints über den Haufen? Versuche ich einen Einstieg mit einer Anekdote statt mit der Agenda-Folie? Lasse ich den Beamer diesmal aus?

Auch diese Fragen können schwierige Entscheidungen im Sinne Changs sein. Keine der Alternativen ist notwendigerweise insgesamt besser als die andere. Der eine Weg bedeutet vielleicht mehr Aufwand, größeres Risiko, Angriffsfläche für Kritik & Lästerei, dafür eine zugespitzte Botschaft und einen besseren Draht zum Publikum. Der andere Weg ist vielleicht vertrauter, spart Vorbereitungszeit, die BulletPoints sind Ihre Gedächtnisstütze oder dienen gleichzeitig als Handout, lenken aber das Publikum ab.

Lassen Sie andere entscheiden oder entscheiden Sie selbst?

Als Drifter gibt man die Entscheidung ab. Der Chef will es so, die Anderen machen es auch so, ich muss noch etwas anderes erledigen, ich habe Angst vor Kritik.

Doch auch dann sagt das etwas über mich aus.

Wenn ich mich aber bewusst für das Eine oder das Andere entscheide, dann bestimme ich, was das über mich sagt. Dann definiere ich mich und mein Wertesystem ein Stück weit selbst.

Entscheiden Sie selbst, wer Sie sein wollen.

    Mehr als Ruhm und Ehre: Warum wir alle Helden sein können

    A hero is someone who, in spite of weakness, doubt or not always knowing the answers, goes ahead and overcomes anyway. – Christoper Reeve

    In der letzten Woche drehte sich hier im Blog alles um Helden und Heldengeschichten. Was das sollte? Wollen wir Ihnen sagen. Hier sind drei Dinge, die wir letzte Woche über Helden gelernt haben und die Ihnen dabei helfen, auch für Ihre Präsentationen einen Helden zu finden.

    1) Helden sind mehr als Superhelden

    Denken Sie an einen Helden. Spontan fällt Ihnen wahrscheinlich ein Superheld ein. Ein muskelbepackter, testosteronstrotzender Typ mit strahlend weißen Zähnen und perfekten Haaren. Marke Superman oder Captain America. Oder?

    Und dann denken Sie noch einmal darüber nach. Muss ein Held immer eine Superkraft haben? Eigentlich nicht. Beim zweiten Nachdenken fällt uns bestimmt jemand ein, der uns inspiriert hat, den wir bewundern, an den wir denken und uns sagen: “Was der macht, das bewundere ich …” Nehmen wir zum Beispiel John Scofield, Dr. Michael Gerharz’ persönlichen Helden. Ein Jazzgitarrist, der sich nicht mit dem Status Quo abfindet. Der sich und seine Musik ständig neu erfindet. Oder zumindest danach strebt. Weil das, was bequem und erprobt ist, den Weg zu Neuem und Spannendem verbaut, wenn man sich darauf ausruht. Ein Mensch, der sich durch das definiert, was er erreichen kann, nicht durch das, was er nicht erreichen kann.

    2) Helden sind überall

    Steve Jobs, Nelson Mandela und seit Kurzem wohl Conchita Wurst fallen in diese Kategorie von Helden, die sich auch ohne Superkräfte trauen, gegen den Strom zu schwimmen. Aber ziehen wir den Kreis doch noch etwas enger. Was, wenn Helden direkt vor unserer Nase sind und wir ihnen jeden Tag begegnen? Zum Beispiel Zuhause, im Supermarkt, am Arbeitsplatz. Eine Mutter kann ein Held sein, weil sie ihre Karriere für ihre Familie hinten anstellt. Oder Menschen wie meine Schwiegereltern, die für ihren Sohn alles aufgaben. Jemand, der einer älteren Dame über die Straße hilft, obwohl er selbst schon viel zu spät dran ist. Ein Kollege, der sich traut, dem Chef das zu sagen, was wir anderen alle bloß denken. An diese Art von Held dachten auch viele unserer Kollegen, die wir zu dem Thema befragt hatten.

    3) Helden lassen uns mitfühlen

    Und was ist all diesen Helden gemein? Sie existieren nicht bloß auf einer Leinwand oder leben ein Leben, das für uns genausogut auf dem Mond stattfinden könnte. Es sind offensichtlich die Helden aus dem normalen Leben, die uns am meisten berühren. Und deshalb sind es auch diese Alltagshelden, die Ihnen helfen können, Ihr Publikum zu überzeugen. Weil sie mitten unter uns leben, können wir alle uns mit ihnen identifizieren, ihr Verhalten direkt auf unser Leben beziehen und sie uns zum Vorbild nehmen. Sie geben uns das Gefühl: Wir alle können Helden sein, weil Heldentum in uns allen schlummert.

    Wecken Sie genau dieses Gefühl in Ihrer Präsentation. Erzählen Sie eine Heldengeschichte, in denen Ihr Held Grenzen überschritten hat, die Ihre Zuhörer nicht überschritten haben und nicht überschreiten würden, aber überschreiten könnten. So fühlen sie mit dem Helden, durchleben mit ihm seine Höhen und Tiefen, seine Ängste, seinen Mut und vor allem die Genugtuung, es richtig gemacht zu haben, wenn er sein Ziel erreicht.

    Dann bleibt hängen: Das will ich auch! Beziehungsweise: Das kann ich auch!

    Und nun? Finden Sie Ihren Helden!

    Wer ist Ihr Held? Und welche Rolle spielt er in Ihrer Präsentation, weil er Teil Ihrer Botschaft, Ihres Produkts, Ihrer Idee ist? Teilen Sie mit uns Ihre #heroStory auf Twitter. Wir sind gespannt!

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    Live-Übertragung einer Krönung? Wenn die Queen sich auf etwas Neues einlassen kann, können Sie das doch auch.

    Als Königin Elizabeth am 2. Juni 1953 in der Westminster Abbey gekrönt wurde, waren zum ersten Mal in der Geschichte britischer Krönungen TV-Kameras dabei, um die Zeremonie live in die Wohnzimmer der Untertanen zu übertragen.

    Elizabeth war absolut not amused darüber. Vulgär fanden sie und die anderen Mitglieder des Königshauses dieses neue Medium für die Massen. Das hat doch nichts bei einem solch royalen Anlass zu suchen. Doch sie musste sich schließlich dem öffentlichen Druck beugen und die Übertragung zulassen.

    Süß, oder?

    Man muss einfach über diese Geschichte schmunzeln. Süße altmodische fünfziger Jahre. Heute sind die TV-Übertragungen der königlichen Highlights in der Westminster Abbey ja nicht mehr wegzudenken. Der Trauung von Prinz William und Kate konnte man sogar live auf Youtube folgen.

    Naja, damals wussten sie es ja noch nicht besser.

    Aber packen wir uns doch mal an die eigene Nase!

    Wie oft lehnen Sie etwas reflexartig ab, weil es neu und anders ist? Wie oft fallen Sie lieber in alte Muster zurück, anstatt etwas zu wagen? Wie oft würden Sie gerne etwas Neues ausprobieren, aber machen dann doch einen Rückzieher, weil es anders ist und möglicherweise von den Kollegen nicht ernst genommen werden könnte? Oder weil es einfach bequemer ist, wieder die alte Vorlage zu verwenden. Weil wir sie in und auswendig kennen, weil sie als quasi-Standard anerkannt ist und weil man das so schließlich macht. Und schon immer so gemacht hat.

    Nichts ist gut, weil es schon immer so gemacht wurde. Nicht immer ist es sinnvoll, alles Alte umzustoßen und gegen etwas Neues zu ersetzen. Aber es ist immer sinnvoll, zu hinterfragen, ob man etwas nur deshalb ablehnt, weil einem das Neue Unbehagen bereitet.

    [Foto: CC-BY Library and Archives Canada, K-0000045]

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    Heute zu Gast bei Let’s Talk: Anke Tröder, Präsentationstrainerin und Dozentin an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim.

    Wir gehen dem Thema Authentizität auf den Grund und haben uns gefragt:

    • Wie ich mein bestmögliches Selbst finde?
    • Wo der Platz für die Stillen ist?
    • Wie transparent ich sein muss, um authentisch zu wirken?
    • Warum ein begeisternder Vortrag die Persönlichkeit des Vortragenden sichtbar werden lässt?
    • Warum „authentisch“ nicht heißt, dass man sich nicht verbessern darf?
    • Wie man es schafft, dass der Körper automatisch das richtige macht?
    • Warum man für sein Thema brennen soll, dabei aber nicht durchbrennen darf?

    Viel, viel Stoff für eine halbe Stunde und daher unbedingt lohnenswert:

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    Let’s Talk mit Dr. Kerstin Hoffmann, Kommunikationsberaterin und Autor des PR-Doktor. Wir haben den Hype um Storytelling und Content-Strategien unter die Lupe genommen und uns u.a. gefragt:

    • wann sich das Publikum märchenhaft veräppelt fühlt,
    • worin man am besten seine Hände badet,
    • wann die Angst vor dem nächsten Mal verschwindet,
    • ob Authentizität überhaupt erstrebenswert oder eher langweilig ist,
    • wie das berühmteste Gedicht der Moderne entstand,
    • ob gute Mediziner auch gute Geschichtenerzähler sein müssen.

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    Dr. Michael Gerharz

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