Buchtipps für den Wunschzettel

In ungewöhnlich schneereicher Vorweihnachtszeit wird es spätestens jetzt Zeit, seinen Wunschzettel zu vervollständigen. Und weil gerade im Präsentationsbereich in der letzten Zeit eine ganze Reihe empfehlenswerter Bücher veröffentlicht wurde, mag vielleicht der ein oder andere in der folgenden Liste noch Inspirationen für sich oder seine Freunde finden.

Storytelling: Resonate von Nancy Duarte

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Auf dieses Buch habe ich lange gewartet. Endlich ein Buch, dass sich nicht mit dem Feinschliff von Präsentationen beschäftigt (also z.B. den Folien, der Rhetorik oder dem Auftreten), sondern mit dem Unterbau. Nancy Duarte ist Inhaberin der weltweit einflussreichsten Präsentations-Designagentur Duarte Design und bündelt in ihrem neuesten Buch resonate ihr gesammeltes Wissen, um eine Präsentation in eine überzeugende Story zu bringen. Sie greift dabei das klassische Schema der Heldengeschichte auf, wendet Methoden aus Drehbüchern an und analysiert an vielen praktischen Beispielen die Methoden erfolgreicher Redner. Obwohl streckenweise ein wenig pathetisch: klare Empfehlung! (Wer lieber auf deutsch liest, wird sich wohl bis ins nächste Jahr gedulden müssen).

Thank You for Arguing von Jay Heinrichs

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Jay Heinrichts dringt in seinem Buch Thank You for Arguing auf unterhaltsame Weise in die Trickkiste rhetorischer Größen wie Aristoteles, Lincoln und Homer Simpson ein. An ganz alltäglichen Beispielen veranschaulicht er die Wirksamkeit rhetorischer Figuren und Fertigkeiten und scheut dabei auch nicht davor zurück, sich selbst auf’s Korn zu nehmen; natürlich nur, um das gleich im nächsten Absatz als weiteren rhetorischen Trick zu entlarven. Wem andere Rhetorikbücher zu trocken, zu abstrakt oder zu theoretisch sind, der findet hier eine pragmatische Lektüre, die man auch mal gern zwischendurch liest. Man sollte allerdings keine Scheu vor der englischen Sprache haben, denn gerade in diesem rhetorischen Bereich ist natürlich ein wenig an Transferleistung nötig, möchte man die Methoden und Kniffe für seine eigenen Vorträge anwenden.

Auf der Serviette erklärt – Arbeitsbuch von Dan Roam

Es gibt kaum ein Buch, das ich für gleichzeitig so hilfreich und so übertrieben halte wie Dan Roams Serviettenbücher. Seine Methoden sind gut geeignet, um zum Kern eines Problems vorzudringen und selbst komplexe Probleme mit Hilfe einfacher Zeichnungen zu analysieren oder zu erklären. Insbesondere die Beispiele in diesem Arbeitsbuch geben viele Anregungen, wie man die Methoden auf unterschiedlichste Probleme anwenden kann. Was mich stört ist der enorme Hype, den er selbst um seine Methode betreibt. Natürlich dringt man zum Kern eines Problems oft einfacher vor als man denkt, gerade wenn man sich erst einmal an „visuelles Denken“ herangetraut hat. Doch nichts davon fliegt einem zu, nur weil man einen Stift in der Hand hält. Viele der Ideen, die Roam in seinen Büchern präsentiert sind erst das Ergebnis einer tiefen (eben auch zeichnerischen) Analyse des Problems und nicht plötzliche Eingebung, die mit der Anwendung seiner Ideen einhergehen. Dennoch: eine hilfreiche Methode. Man braucht eher nicht beide Servietten-Bücher, sondern wird in der Regel mit einem der beiden Bücher auskommen. Für Praktiker eignet sich dafür sicher eher dieses Arbeitsbuch als das „theoretischere“ Orignalbuch.

Zeichnen für verkannte Künstler von Quentin Blake

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„Jeder kann zeichnen“ – das behauptet nicht zuletzt Dan Roam in seinen Serviettenbücher. Ich glaube er hat recht; und dennoch fällt vielen das Zeichnen eben doch nicht so leicht wie es sollte. Die Ursachen mögen vielfältig sein, aber als eine mögliche Lösung gibt es zum Glück das wunderbare Buch Zeichnen für verkannte Künstler. Eigentlich für Kinder geschrieben, eignet es sich für jeden, der seine Zeichenkünste (wieder)entdecken möchten. Am besten jedoch eignet es sich für Menschen mit (nicht nur) ein wenig Humor, die am besten lernen, wenn sie einfach drauf los probieren können. Dieses Buch ist für Praktiker, nicht für Theoretiker. Die Beispiele sind so gemacht, dass sie direkt im Buch gezeichnet werden. Für Zweifler und Zögerer ist hier also kein Platz: Stift nehmen, ausprobieren und staunen, was man auf einmal alles zu Papier bringen kann.

Auf Deutsch: nicht schlecht „Neu präsentieren“

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Es gibt nicht besonders viele wirklich empfehlenswerte Präsentationsbücher aus dem deutschsprachigen Raum. Neu präsentieren von Gerriet Danz enthält viele gute Ideen. Nach den Büchern von Reynolds, Duarte u.a. sicher nicht mehr ganz so neu wie Danz behauptet, aber deswegen ja nicht falsch. Das Buch beschreibt eine sinnvolle Methode von der Idee zur Präsentation und zieht seine Inspirationen insbesondere aus der Werbung. Warum Danz (ähnlich wie Dan Roam mit seiner Serviette) seine eigene „Chili“-Methode so hypt, ist mir ein Rätsel (ganz so neu ist das alles wie gesagt nicht), aber wenn man das abzieht, bleibt noch genügend Substanz vorhanden (das Quietschgrün der Kapitel ist allerdings schwer erträglich).1

Immer noch aktuell: Bekenntnisse eines Redners von Scott Berkun

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Wer sich vor allem auf unterhaltsame Weise mit dem Thema Präsentieren beschäftigen (und dabei noch das ein oder andere lernen) möchte, dem empfehle ich nach wie vor Bekenntnisse eines Redners von Scott Berkun. In seinem Buch beschreibt Berkun seine Erfahrungen aus hunderten öffentlicher Vorträge. Herausgekommen sind lehrreiche Erkenntnisse, amüsante Anekdoten und die ein oder andere Katastrophe, in die wahrscheinlich vor (und nach) Berkun auch viele andere schon hereingeschlittert sind. Das Buch liest sich schnell und macht Spaß, vor allem wegen des sehr saloppen Stils des Autors. Eine ausführliche Rezension habe ich im Mai geschrieben.

Zugabe: The Naked Presenter von Garr Reynolds

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Zwar habe ich dieses Buch noch nicht gelesen, weil es noch nicht erschienen ist, aber nach Presentation Zen und Presentation Zen Design könnte dieses Buch eine weitere Kaufempfehlung werden. Nachdem Garr Reynolds, Autor des bekannten Blogs Presentation Zen in seinen beiden vorherigen Büchern erklärt hat, warum man sich von dem einschläfernden PowerPoint-Einerlei verabschieden sollten und wie man stattdessen ansprechende und wirkungsvolle Folien gestaltet, geht es in seinem neuesten Buch The Naked Presenter um den eigentlichen Auftritt vor Publikum. Mit presenting naked meint Reynolds, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, so unmittelbar wie möglich. Das bedeutet u.a. Folien nur dann zu verwenden, wenn sie auch etwas zum Vortrag beitragen, sich nicht hinter einem Rednerpult zu verstecken, sondern den direkten Kontakt mit dem Publikum zu suchen, und sich dabei so unverhüllt und authentisch wie möglich zu geben. Lesen konnte ich das Buch wie gesagt noch nicht, weil es noch nicht erschienen ist. Wer es aber jetzt auf seinen Wunschzettel schreibt, könnte es noch rechtzeitig zu Weihnachten unter dem Tannenbaum liegen haben (ohne Gewähr).

[Die Buch-Links führen zu Amazon und dieses Blog erhält eine kleinen Prozentsatz des unveränderten Kaufpreises.]

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1Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Strichmännchen zeichnen lernen (Ein kleiner Zeichenkurs)

Ich habe mich geärgert. Es gibt mittlerweile viele Bücher, die zeigen, wie man mit Hilfe von (einfachen) Zeichnungen komplexe Zusammenhänge häufig besser verstehen und erklären kann, allen voran Dan Roams Bestseller Auf der Serviette erklärt. All’ diese Bücher ködern auf die gleiche Weise:

Zeichnen ist ganz einfach. Wenn Sie Striche und Kreise malen können, besitzen Sie bereits alles, was Sie brauchen.

Das stimmt auch – im Prinzip. Und doch steckt der Teufel, wie so oft, im Detail. Die ersten Versuche wirken doch irgendwie unbeholfen. Es fehlen anfangs die Ideen, um die Zeichnungen auf den Punkt zu bringen. Nicht selten lautet schnell das erste Fazit: “Ich bin eben doch kein visueller Typ.”

Darüber habe ich mich geärgert. Denn nur wenige Bücher geben anschauliche Tipps, wie man aus den Kreisen und Strichen denn nun wirklich einfach brauchbare Zeichnungen macht (gelungene Ausnahme: Menschen grafisch visualisieren). Das möchte ich ändern. In unregelmäßigen Abständen wird es daher an dieser Stelle Tipps geben, um mit einfachen Strichen und Kreisen aussagekräftige Zeichnungen zu erstellen. Beginnen wir damit, wie man einfach Strichmännchen zeichnen lernen kann.

Strichmännchen zeichnen lernen

Meine jüngste Tochter ist jetzt acht Wochen alt und kann seit wenigen Wochen lächeln. Das tut sie immer dann, wenn sich jemand über sie beugt. Genauer gesagt tut sie es immer dann, wenn sich etwas halbwegs rundes oder ovales über sie beugt, also so etwas wie ein Kopf oder auch ein Luftballon. Offenbar ist das wichtigste menschliche Erkennungsmerkmal für meine Tochter die runde Kopfform.

Los geht’s. Vier Köpfe, also halbwegs runde oder ovale Dinge, kann nun wirklich jeder zeichnen.

Vier Kreise repräsentieren vier Köpfe

Schreiben Sie Namen daran, und schon haben Sie Ihr Projekt-Team visualisiert.

Die Augen

Seit kurzem erkennt meine Tochter auch Augen. Wenn ich zwei Punkte auf den Luftballon male, dann lächelt meine Tochter den Luftballon an.

Und wenn Sie zwei Augen in die vier Köpfe malen, dann erwachen die Köpfe plötzlich zum Leben. Lassen Sie die Köpfe z.B. nach oben, nach unten oder zur Seite blicken:

Ein Paar Augen lassen die Köpfe in verschiedene Richtungen blicken

Die Körperhaltung

Interessant wird es, wenn Sie Ihren Köpfen einen Körper spendieren. Dazu reicht oft schon ein einziger Strich. Und schon beugt sich die zweite Figur nach hinten, um ganz weit nach oben zu blicken – z.B. um die Größe des höchsten Turmes der Welt oder den Effizienzvorteil eines neuen Produktionsverfahrens zu veranschaulichen. Die dritte Figure ist dagegen mit gebeugter Haltung offensichtlich deprimiert, vielleicht weil sie die Quartalsziele nicht erreicht hat oder weil Deutschland das Halbfinale der WM verloren hat. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf.

Die Körperhaltung kann oft durch einen einzigen Strich verdeutlicht werden

Arme und Beine

Wenn Sie jetzt noch acht Striche ergänzen, bekommen Ihre Menschen Arme und Beine und können sich beliebig bewegen. Sie können z.B. die Arme in die Hüfte stemmen oder zielstrebig auf etwas zugehen. Sie könnten genauso laufen oder springen, auf etwas zeigen oder die Arme jubelnd in die Höhe strecken.

Versuchen Sie doch einfach selbst einmal ein paar Variationen. Denken Sie dabei daran, dass Ellbogen und Kniegelenke nicht beliebig dehnbar sind. Beobachten Sie, wie Sie selbst Ihre Gelenke halten, wenn Sie sich bewegen. Und zeichnen Sie die Augen immer so, dass sie die Bewegung unterstützen. Lassen Sie z.B. Ihre Menschen nach rechts blicken, wenn sie nach rechts gehen und nach links blicken, wenn sie nach links zeigen.

Mit wenigen Strichen ergänzt man Gliedmaße, so dass sich die Figuren bewegen können

Jetzt Sie! – Zeichnen Sie Ihre eigenen Strichmännchen

Meist reichen offensichtlich wenige Striche, um Figuren zum Leben zu erwecken. Und tatsächlich bin ich mir sicher, dass Sie die Strichmännchen, die ich oben gezeichnet habe, auch selbst zeichnen können – und noch viel mehr. Sie müssen nur einen Stift in die Hand nehmen (am besten jetzt gleich) und anfangen. Und dann natürlich immer mal wieder ein bisschen üben, z.B. wenn Sie in einem langweiligen Meeting sitzen oder am Telefon mal wieder in der Warteschleife hängen. Fünf Minuten am Tag finden Sie doch bestimmt, oder?

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Zeichnen lernen

Sie sollten Zeichnen lernen

Falls Sie noch nicht Dan Pinks inspirierendes Buch Drive, in dem er mit den Prinzipien des Zuckerbrot und Peitsche aufräumt, gelesen haben (und auch seinen TED-Vortrag noch nicht kennen), dann sollten Sie sich spätestens jetzt 10 Minuten Zeit nehmen, dieses Video zu sehen (englisch), nicht nur wegen der wichtigen Botschaft, sondern auch wegen der beeindruckenden Animation:

Ich möchte drei Aspekte aus Präsentationssicht herausgreifen:

Visualisierung zum Schluss

Erst auf den zweiten Blick erkennt man, das die Animation nachträglich hinzugefügt wurde. Dan Pink hielt den Vortrag ursprünglich ganz ohne Folien. Die Animationen wurden erst danach auf Basis des gesprochenen Wortes konzipiert und erstellt. Der Vorteil: die Visualisierungen treffen stets absolut ins Schwarze. Und weil die Dramaturgie schon vorher ausgefeilt war, stimmen auch alle Übergänge perfekt.

Es müssen nicht immer Visualisierungen sein

Man erkennt aber auch, dass Visualisierungen nicht zwingend notwendig sind, wenn das Gerüst des Vortrags grundsätzlich stimmt. Im Gegenteil, das (gefühlte) Tempo des Vortrags erhöht sich durch die Animationen deutlich. Wenn Sie sich die Zeit nehmen, auch Dan Pinks ursprünglichen Vortrag anzusehen (ab ca. Minute 9), merken Sie das. Die Visualisierung funktioniert in diesem Tempo nur deswegen so gut, weil der Vortrag so gut strukturiert ist, dass man nie Gefahr läuft, den roten Faden zu verlieren.

Sie sollten Zeichnen lernen

Es wären viele andere Arten der Visualisierung denkbar, z.B. Fotos oder Filme der angesprochenen Experimente, allerdings ist das Video auch deswegen so charmant, weil es handgezeichnet ist. Das verleiht der Animation in Zeiten von Coroporate-Design-Einheitsbrei eine individuellere, auch dynamischere Note.

Wenn Sie zeichnen lernen, können Sie selbst solche Zeichnungen erstellen, das wirkt persönlicher; prinzipiell auch während des Vortrags, das wirkt interaktiver. Übrigens nehmen Sie auf diese Weise sogar Tempo aus dem Vortrag heraus, denn die Zeichnungen würden Sie ja live erstellen. Die müssen auch nicht so ausgefeilt sein, wie die Zeichnungen aus dem Video. Schon mit wenigen Strichen können Sie viele verschiedene Facetten darstellen. Folgende Präsentation zeigt Ihnen z.B. ein paar einfache Tipps, um mit wenig Aufwand aussagekräftige Strichmännchen-Zeichnungen zu erstellen:

Eine weitere Präsentation gibt Tipps, wie Sie mit Hilfe von Fotos (z.B. aus Magazinen) auch “realistische” Strichmännchen-Szenen mit ein paar Bleistiftstrichen erzeugen. Gerne empfehle ich auch das Buch Menschen grafisch visualisieren von Ulrich Stephan, das auf übersichtlichen 80 Seiten eine einfache Methode für Strichmännchen-Zeichnungen erklärt.

Weitere Beipiele

Viele weitere Beispiele in dem Stil der Dan-Pink-Animation finden sich auf der Webseite der Royal Society for the enhancement of Arts unter der Überschrift RSA Animate. Hier werden regelmäßig Vorträge auf RSA-Veranstaltungen nachträglich animiert.

Ganz ähnlich funktionieren auch die Filme von Annie Leonard, die sich mit animierten Präsentationen für einen bewussten Umgang mit der Umwelt einsetzt.

Ein Pionier der handgezeichneten Visualisierung ist auch Dan Roam. In seinem ausgezeichneten Buch Auf der Serviette erklärt, beschreibt er ausführlich, wie selbst komplizierte Sachverhalte mit einfachen Zeichnungen veranschaulicht werden können. Auch Roams eigene Präsentationen sind schöne Beispiele dafür, z.B. seine Erklärungen zur amerikanischen Gesundheitsreform.

Sehr sympathisch finde ich auch diesen Vortrag mit weit “weniger professionellen” Zeichnungen von Matt Harding, der einigen von Ihnen bekannt sein dürfte aus den “Where the hell is Matt?“-Videos (falls Sie die noch nicht kennen, sollten Sie sie unbedingt ansehen).

Zeichnen lernen

Buchcover von Ann Davidow: Wir zeichnen Tiere

Meine Kinder malen für ihr Leben gern. Sie setzen sich dann an Ihren Kindertisch und malen mit Begeisterung Menschen, Tannenbäume, Häuser, Geschenke – oder zumindest das, was in Ihrer Fantasie so aussieht. Unweigerlich kommt es irgendwann zu meinem Einsatz: “Papa, malst du uns eine Katze?” Damit dabei in Zukunft auch wirklich eine Katze herauskommt, haben die Kinder mir dieses Jahr ein wirklich schönes Buch unter den Tannenbaum gelegt: Wir zeichnen Tiere.

Schon mehrfach habe ich darüber geschrieben, wie Zeichnungen einer Präsentation eine individuelle Note geben können. Zwar werden Sie in der Regel keine Tiere in Ihrer Präsentation verwenden, aber der Ansatz dieses Buches könnte Ihnen einigen Mut zu eigenen Versuchen geben. Die Zeichnerin, Ann Davidow, schreibt dazu:

Wenn ich euch zuschauen könnte, würde ich erst dann zufrieden sein, wenn ich entdeckt hätte, dass meine Vorlagen und Beispiele euch Mut zu eigenen Einfällen und Zeichnungen gemacht haben. Das Einzige, was hierbei zählt, sind Phantasie, Ausdruckskraft und der eigene Strich. […] Und wer bisher geglaubt hat, er könne nicht zeichnen, bekommt bestimmt Lust, einen Bleistift in die Hand zu nehmen und einen Versuch zu wagen.

Ein Buch Lesen – Zeichnen Lernen

Zwei weitere Bücher möchte ich Ihnen für Ihre ersten Schritte noch mit auf den Weg geben. Menschen grafisch visualisieren ist ein kleines, aber feines Buch, das Ihnen eine sehr einfache Methode zum Zeichnen von Menschen vermittelt. Wer ein etwas umfassenderes Werk sucht, der sollte unbedingt einmal einen Blick in Axel Rachows Buch Sichtbar werfen, in dem er viele Tipps und Ideen zur Visualisierung mit Zeichnungen auf Flip-Charts oder Tafeln aufzeigt.

Wenn Sie die ersten passablen Zeichnungen vollbracht haben, hilft Ihnen das hier bereits mehrfach erwähnte Buch Auf der Serviette erklärt, wie Sie Zeichnungen nutzen können, um komplexe Zusammenhänge einfach zu Papier (bzw. auf eine Serviette) zu bringen. 

Auf der Serviette erklärt

Logo des World’s Best Presentation Contest auf slideshare

Einmal pro Jahr sucht das Unternehmen slideshare (so etwas wie YouTube für PowerPoint-Folien) die beste Präsentation der Welt. In diesem Jahr hat diesen Preis Dan Roam gewonnen, dessen hervorragendes Buch Auf der Serviette erklärt ich kürzlich hier besprochen habe. Die Präsentation ist eine gute Gelegenheit, um Roams Methode noch einmal unter die Lupe zu nehmen.

Dan Roams Siegerpräsentation

Roam gewann den Preis für seine Präsentation über die amerikanische Gesundheitsreform, die dort im Augenblick (und schon seit langem) heiß diskutiert wird. Mit seinen Folien möchte Roam einen Beitrag dazu leisten, die Diskussion zu versachlichen, indem er den Vorschlägen ein wenig auf den Grund geht und sie in verständlicher Sprache der Allgemeinheit erläutert. Drei Aspekte aus Präsentationssicht möchte ich hervorheben.

1. Einfache Diagramme

Folie aus Dan Roams Präsentation

Dan Roams wesentliche Botschaft lautet: jedes Problem wird verständlicher, indem man es durch möglichst einfache Diagramme erklärt. Im Idealfall sind die Diagramme so einfach, dass sie auf einer Serviette Platz finden.

Der natürliche Reflex als Antwort auf diese Behauptung lautet: Geht das überhaupt? Viele Probleme sind doch viel zu kompliziert, um sie auf einer Serviette erklären zu können. Natürlich sind sie das. Aber: Wer sagt denn, dass jedes Diagramm (oder eine Folie im Allgemeinen) sämtliche Details enthalten muss, um ein Problem vollständig zu erfassen. Im Gegenteil: in einer Präsentation erläutern Sie das Problem ausführlich durch Ihren mündlichen Vortrag. Die Diagramme haben dabei die Aufgabe, das Big Picture zu verdeutlichen. So können die Zuhörer die komplexen Zusammenhänge besser ordnen, anstatt komplizierte Diagramme zusätzlich zu komplizierten Inhalten entziffern zu müssen.

2. Das Wichtigste zuerst

Ein Thema muss nicht auf einer einzigen Folie erschöpfend behandelt werden. Oft ist es einfacher, zunächst Grundlagen an einem einfachen Beispiel zu erläutern und die Komplexität schrittweise zu erhöhen. So entsteht im Laufe des Vortrags ein vollständiges Bild, jedoch haben die Zuhörer unterwegs die Möglichkeit, die Details auch nachvollziehen zu können und in das – bis dahin bereits verstandene – große Ganze einordnen zu können.

Dan Roam führt das in seiner Präsentation anschaulich vor, z.B. wenn er die grundlegende Gleichung des amerikanischen Gesundheitssystems erklärt (s.o.), um anschließend die Auswirkung auf mehreren folgenden Folien zu besprechen:

Weitere Folien aus Roams Präsentation

3. Nicht immer so ernst

Dan Roams Präsentation lebt nicht nur von den einfachen Diagrammen, sondern auch von dem informellen Charakter. Durch seine handschriftlichen Zeichnungen wirken die Erklärungen persönlicher, mehr wie in einem Gespräch als in einer formalen Präsentation. Und den Folien sieht man an, dass sie letztlich auch in solchen Situationen sehr gut funktionieren. Im Grunde genommen steht der Text nur deswegen auf den Folien, weil sie eigentlich eher ein Handout zu einem (fiktiven) Vortrag Roams sind und daher ohne gesprochene Erläuterungen funktionieren müssen.

In einer Vortragssituation könnte man den Text bedenkenlos von den Folien streichen und stattdessen mündlich erzählen. Und wahrscheinlich funktioniert das sogar noch besser, wenn Sie die Diagramme live entwickeln, während Sie sprechen, z.B. mit dem guten alten Flipchart oder alternativ mit einem digitalen Zeichenbrett. Ich selbst verwende z.B. gerne das Wacom Bamboo Tablett. Damit können Sie sehr gut auch in vorbereiteten Folien weitere Elemente während Ihres Vortrags einzeichnen – übrigens genau so wie Dan Roam selbst es mit Papier und Stift in diesem Video tut.

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Diagramme helfen, Beziehungen zwischen Zahlen sichtbar zu machen, die sonst gar nicht oder viel verschwommener sichtbar wären. So habe ich vor einiger Zeit einen Kunden überrascht, indem ich die Umsätze seiner sechs Abteilungen nicht tabellarisch, sondern grafisch den Mitarbeiterzahlen dieser Abteilungen gegenübergestellt habe. Seine Reaktion: man habe zwar aus den Zahlen irgendwie gewusst, dass es eine Diskrepanz dieser beiden Werte gebe, aber sich nicht bewusst gemacht, dass diese so drastisch ausfalle:

Beispieldiagramm

Genau darum geht es in dem Buch The Back of the Napkin von Dan Roam: Zusammenhänge, die sich in reinen Fakten schüchtern verbergen, grafisch sichtbar zu machen, im Englischen nennt man das Visual Thinking. Roam geht sogar soweit zu behaupten, man könne jedes Problem auf dem „berühmten“ Bierdeckel (oder eben auf der Rückseite einer Serviette) lösen. Etwas bodenständiger formuliert entwickelt er in seinem Buch eine reich bebilderte Methode, um mit Papier und Bleistift zu jedem Problem ein paar einfache Skizzen zu generieren, die das Problem besser verstehen helfen.

Cover von Dan Roams Buch

Zwei Dinge muss man dabei über dieses Buch wissen. Erstens: Wer eine Anleitung zum Zeichnen schicker Bilder erwartet, der wird enttäuscht, kann aber gleichzeitig erleichtert sein zu erfahren, dass nun wirklich jeder die Skizzen aus dem Buch zu Papier bringen kann (im Ernst!). Zweitens: hier gibt es keine bahnbrechenden neuen Ideen zu sehen. Wer ohnehin häufiger mit Diagrammen arbeitet, der wird vielleicht die ein oder andere Seite überspringen, lernt aber dennoch einige interessante Tipps für den kreativen Einsatz von Diagrammen.

Die größte Stärke des Buches ist es, eine wirklich einfache Methode an die Hand zu geben, wie man aus reinen Fakten aussagekräftige Diagramme generiert. Das lässt sich letzlich zurückführen auf zwei grundlegende Empfehlungen: beginne mit einer sorgfältigen Analyse („look and see“) und beantworte die richtigen Fragen. Letztere lassen sich nach Roam in der ein oder anderen Weise immer zurückführen auf die sechs grundlegenden Fragen: „Wer oder Was?“, „Wie viel?“, „Wo?“, „Wann?“, „Wie?“ und „Warum?“.

Das Buch enthält einige pragmatische Tipps und zeigt viele schöne Beispiele, wie man auf diese Weise komplexe Zusammenhänge in einfachen Diagrammen darstellt und sich auf die wesentlichen Informationen konzentriert. Das ist im Übrigen auch eine unverzichtbare Fähigkeit, um überzeugende Präsentationen zu erstellen. Roams Methode ist dabei überhaupt nicht beschränkt auf handgezeichnete Skizzen, sondern nahezu unverändert übertragbar auf computergestützte Diagramme wie PowerPoint-Zeichnungen oder Excel-Diagramme.

Wer sich in einer knappen Stunde einen ersten Überblick über die Ideen des Buches verschaffen möchte, findet in diesem Vortrag von Dan Roam bei Google einen gute Einführung:

Links zu dem Artikel
The Back of the Napkin – Homepage zum Buch
Blog zu „The Back of the Napkin
Deutsche Ausgabe Auf der Serviette erklärt (erscheint im Mai 2009)
Kermit lernt Visual Thinking: 1, 2

Wo kommt eigentlich das ganze Zeug her?

 

Logo von

Ein Video über den modernen Konsumrausch macht seit einiger Zeit einen ziemlichen Wirbel im Internet: The Story of Stuff von Annie Leonard. Unabhängig davon, ob Sie in der Sache zustimmen oder nicht, zeigt das Video, wie man mit extrem einfachen Mitteln in einer Präsentation eine enorm große Wirkung erzielen kann. Am besten sehen Sie sich das Video einmal an, bevor Sie weiterlesen (dauert ca. 20 min).

Das Tempo ist ziemlich hoch. Trotzdem kann man sehr gut folgen und mit ziemlicher Sicherheit können Sie nachher die Kernaussagen auch wiederholen. Wie gelingt das?

Vor allem hat Annie Leonard eine klare Botschaft, nicht nur für die Präsentation als Ganzes (“You cannot run a linear system on a finite planet”), sondern auch für jeden einzelnen Teil der Präsentation (z.B. “toxics in, toxics out”). Die gesamte Geschichte entwickelt sie an diesem einfachen Diagramm:

Verarbeitungskette für Produkte: Förderung, Produktion, Vertrieb, Konsum, Entsorgung

Das Diagram symbolisiert die Verarbeitungskette (“linear system”) Förderung, Produktion, Vertrieb, Konsum und Entsorgung, die ein Produkt durchlebt. Es zeigt das “Big Picture”, das jederzeit als Orientierungshilfe die einzelnen Details einzuordnen hilft. Die Einfachheit der Sprache und der Bilder erlaubt dazu eine enorme Informationsdichte, die in einem typischen PowerPoint-Vortrag mit Bullet-Points jeden Zuhörer überfordern würde.

Mutter hält ihr Baby auf dem Arm

Besonders wirkungsvoll ist auch, wie Leonard ihre Statistiken und Fakten durch konkrete Beispiele veranschaulicht, etwa den Tagesablauf eines typischen Amerikaners, die vergifteten Kissen, auf die man seinen Kopf jede Nacht bettet oder die Mutter, die ihr Kind vergiftet, weil Muttermilch zu den am stärksten mit Chemikalien belasteten Nahrungsmitteln zählt.

Fabrik: Wenn Gift zur Produktion verwendet wird, kommen am Ende auch giftige Produkte heraus

Die Zahlen selbst haben nur die Aufgabe, die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen zu untermauern. Die eigentliche Botschaft transportiert Leonard aber über diese alltäglichen Beispiele. Und durch die einfachen Zeichnungen bekommt die Präsentation einen fast schon niedlichen Charme, der im Kontrast zu den drastischen Aussagen seine Wirkung nicht verfehlt.

Falls das für Sie alles sehr nach den sechs Prinzipien der Heath-Brüder aus ihrem Buch Was bleibt? klingt, dann liegen Sie damit nicht falsch. “The Story of Stuff” ist eine geradezu schulbuchmäßige Umsetzung dieser Prinzipien. Klar, Annie Leonard formuliert bewusst überspitzt und einige Fakten werden dabei wohl etwas gedehnt. Bilden Sie sich daher inhaltlich Ihre eigene Meinung, aber von der Art der Präsentation kann man in jedem Fall einiges lernen.

Links zu dem Thema
Kritische Analyse des Videos
Artikel bei Presentation Zen 

 

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Dr. Michael Gerharz

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